Risperidon und Obstipation
Ja, Risperidon kann Obstipation verursachen, allerdings ist das Risiko im Vergleich zu anderen Antipsychotika relativ gering. Die neueste Analyse der FDA-Datenbank (2017-2022) zeigt, dass Risperidon tatsächlich die geringste Assoziation mit Obstipation unter den atypischen Antipsychotika aufweist (ROR = 0.71), während Clozapin, Olanzapin, Amisulprid, Quetiapin und Paliperidon deutlich stärker mit Obstipation korreliert sind 1.
Mechanismus der Obstipation
Die Obstipation durch Antipsychotika entsteht durch mehrere pharmakologische Mechanismen 2:
- Anticholinerge Wirkung: Blockade muskarinischer Rezeptoren reduziert die Darmmotilität und die intestinale Sekretion
- Antihistaminerge Effekte: H1-Rezeptor-Antagonismus trägt zur gastrointestinalen Hypomotilität bei
- Antiserotoninerge Wirkung: Blockade von Serotonin-Rezeptoren beeinflusst die Darmmotilität negativ
- Sowohl Muttersubstanz als auch Metaboliten tragen zu den Effekten auf die gastrointestinale Motilität bei 2
Klinische Relevanz
Die Inzidenz von Obstipation unter Antipsychotika liegt bei über 50% der behandelten Patienten 2. Bei Risperidon ist diese Rate jedoch niedriger als bei den meisten anderen atypischen Antipsychotika 1.
Wichtige Warnung: Anticholinerge Medikamente (einschließlich Antipsychotika, Antidepressiva, Phenothiazine und Haloperidol) sind bekannte Verursacher von Obstipation 3. Unbehandelte schwere Obstipation kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, insbesondere Ileus, ischämische Darmerkrankung, Kolonperforation und bakterielle Sepsis 2.
Management-Algorithmus
Prophylaxe (bei Therapiebeginn):
- Stimulierende Laxantien als erste Wahl (z.B. Senna, Bisacodyl) 3
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und körperliche Aktivität fördern 3
- Ballaststoffreiche Ernährung bei ausreichender Flüssigkeitsaufnahme 3
Bei manifester Obstipation:
- Ursachenabklärung: Ausschluss von Obstruktion, Impaktation, Hyperkaliämie, Hyperkalzämie 3
- Therapieziel: Eine nicht-erzwungene Darmentleerung alle 1-2 Tage 3, 4
- Eskalationsschema:
Wichtige Fallstricke:
- Docusat (Stuhlweichmacher) ist nicht wirksam und sollte nicht verwendet werden 3
- Medizinische Ballaststoffpräparate (wie Psyllium) sind ineffektiv und können die Obstipation verschlimmern 3
- Patienten mit Neutropenie oder Thrombozytopenie sollten keine rektalen Suppositorien oder Einläufe erhalten 3
Vergleich mit anderen Faktoren
Im klinischen Kontext ist zu beachten, dass Opioide mit Abstand die häufigste medikamentöse Ursache für Obstipation darstellen (40-80% der Patienten unter chronischer Opioidtherapie) 3, 4, während Risperidon ein deutlich geringeres Risiko aufweist 1.