Risperidon und Muskarinrezeptoren
Risperidon hat keine klinisch relevante Wirkung auf Muskarinrezeptoren und verursacht keine anticholinergen Effekte.
Pharmakologische Eigenschaften
Risperidon zeigt keine Affinität zu cholinergen Muskarinrezeptoren. Das FDA-Label für Risperidon gibt explizit an, dass die Substanz "keine Affinität (bei Konzentrationen > 10⁻⁵ M) für cholinerge Muskarinrezeptoren" aufweist 1. Dies unterscheidet Risperidon grundlegend von anderen atypischen Antipsychotika wie Clozapin und Olanzapin.
Vergleichende Evidenz zu anticholinerger Aktivität
Die wissenschaftliche Literatur bestätigt durchgehend das Fehlen anticholinerger Eigenschaften bei Risperidon:
In-vitro-Studien zeigen, dass Risperidon bei keiner der untersuchten Konzentrationen anticholinerge Aktivität aufweist, während Clozapin, Olanzapin und Quetiapin dosisabhängige anticholinerge Effekte zeigen 2.
Klinische Erfahrungen dokumentieren das Fehlen anticholinerger Manifestationen als einen der Vorteile von Risperidon gegenüber älteren Neuroleptika 3.
SPECT-Bildgebungsstudien mit [¹²³I]-IDEX zeigen, dass Risperidon nur eine geringfügig niedrigere Muskarinrezeptor-Bindung im Striatum verursacht (2,99±0,27 vs. 3,91±0,61 bei Kontrollen), während Olanzapin eine substanzielle Rezeptorbesetzung aufweist (1,50±0,21) 4.
Klinische Implikationen
Bei Patienten mit Demenz verursacht Risperidon im Gegensatz zu Olanzapin keine Erhöhung der anticholinergen Aktivität. In einer randomisierten Studie zeigte Olanzapin signifikante Anstiege der anticholinergen Aktivität vom Ausgangswert, während Risperidon dies nicht tat 5. Dies ist besonders relevant, da ältere Patienten mit Demenz hochsensibel gegenüber Muskarinrezeptorblockade sind 5.
Die Abwesenheit anticholinerger Effekte trägt zur relativen Verträglichkeit von Risperidon bei, zusammen mit minimaler Sedierung und relativ geringer Gewichtszunahme 3.
Rezeptorprofil von Risperidon
Risperidon wirkt als selektiver monoaminerger Antagonist mit hoher Affinität (Ki 0,12-7,3 nM) für:
- Serotonin-Typ-2 (5HT2) Rezeptoren
- Dopamin-Typ-2 (D2) Rezeptoren
- α1- und α2-adrenerge Rezeptoren
- H1-Histaminrezeptoren 1
Risperidon hat schwache Affinität für Dopamin-D1-Rezeptoren (Ki 620-800 nM) und keine Affinität für β1- und β2-adrenerge Rezeptoren oder cholinerge Muskarinrezeptoren 1.
Wichtige Unterscheidung zu anderen Atypika
Im Gegensatz zu Risperidon zeigen Clozapin und Olanzapin signifikante Affinität für Muskarinrezeptoren in vitro, wobei Quetiapin in geringerem Maße ebenfalls anticholinerge Aktivität aufweist 2. Aripiprazol und Ziprasidone zeigen wie Risperidon keine anticholinerge Aktivität 2.
Die substanzielle Muskarinrezeptor-Besetzung durch Olanzapin (nicht aber durch Risperidon) könnte die niedrige Inzidenz extrapyramidaler Nebenwirkungen bei Olanzapin erklären, erklärt aber auch dessen anticholinerge Nebenwirkungen 4, 6.