Hyponatriämie-Risiko bei Antipsychotika: Substanzspezifische Unterschiede
Antipsychotika der ersten Generation (FGA) tragen ein deutlich höheres Risiko für schwere Hyponatriämie als Antipsychotika der zweiten Generation (SGA), wobei Risperidon und Aripiprazol kein erhöhtes Risiko zeigen. 1
Risikohierarchie nach Substanzklassen
Höchstes Risiko: Erste-Generation-Antipsychotika (FGA)
- FGAs zeigen ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Hospitalisierung wegen Hyponatriämie (adjustierte OR 2.12,95% CI 1.83-2.46) im Vergleich zu Kontrollen 1
- Spezifische Hochrisiko-Substanzen:
Mittleres Risiko: Zweite-Generation-Antipsychotika (SGA)
- SGAs als Gruppe zeigen ein moderates Risiko (adjustierte OR 1.32,95% CI 1.15-1.51) 1
- Die meisten atypischen Antipsychotika wurden in Fallberichten mit Hyponatriämie assoziiert 3
- Olanzapine, Quetiapin und andere SGAs (außer Risperidon und Aripiprazol) sollten mit Vorsicht verwendet werden 3, 1
Niedrigstes Risiko: Spezifische SGAs ohne nachweisbares Risiko
- Risperidon zeigt kein erhöhtes Risiko weder bei Neueinstellung (OR 0.86,95% CI 0.56-1.31) noch bei Dauerbehandlung (OR 0.83,95% CI 0.67-1.02) 1
- Aripiprazol zeigt ebenfalls kein erhöhtes Risiko bei Neueinstellung (OR 1.16,95% CI 0.30-4.46) oder Dauerbehandlung (OR 0.62,95% CI 0.27-1.34) 1
Klinisch relevante Risikofaktoren
Patientencharakteristika
- Alter: Ältere Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko 2, 3
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen (57% männlich in Fallserien) 3
- Polydipsie: In 67% der Fälle mit Hyponatriämie vorhanden 3
Zeitlicher Verlauf
- Hyponatriämie tritt typischerweise in den ersten Wochen der Behandlung auf 4, 5
- Bei Aripiprazol wurde Hyponatriämie bereits nach 3 Tagen berichtet 6
- Die meisten Fälle (82.9%) erholen sich vollständig nach Absetzen des Medikaments 7
Monitoring-Empfehlungen
Elektrolytüberwachung während Antipsychotika-Therapie
- Kaliumspiegel müssen überwacht werden, um Hypokaliämie zu vermeiden 2
- Natriumspiegel sollten besonders bei älteren Patienten (>65 Jahre) engmaschig kontrolliert werden, insbesondere bei Frauen und Polypharmazie 7
- Häufige klinische und biochemische Kontrollen sind besonders im ersten Behandlungsmonat erforderlich 2
Kritische Schwellenwerte
- Bei QTc-Verlängerung >500 ms oder Anstieg >60 ms vom Ausgangswert: Dosisanpassung oder Absetzen erforderlich 2
- Bei Natrium <120-125 mmol/L: Diuretika sollten vorübergehend abgesetzt werden 2
Wichtige Fallstricke
Polypharmazie erhöht das Risiko dramatisch
- Die Kombination mehrerer hyponatriämie-induzierender Medikamente erhöht das Risiko um mehr als das 10-fache 5
- Beispiel: SSRI + Diuretika + ACE-Hemmer (0.37%) vs. SSRI allein (0.02%) 5
- Vermeiden Sie die gleichzeitige Gabe mehrerer QT-verlängernder Medikamente 2
Symptomerkennung
- Frühe Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwäche, Verwirrtheit) können mit der psychiatrischen Grunderkrankung verwechselt werden 4
- Dies verzögert häufig die Diagnose 4
Mechanismus
- Der Hauptmechanismus ist das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) 3, 4
- Diagnostische Kriterien: Urinosmolalität ≥100 mOsm/kg kombiniert mit erhöhter Natriumkonzentration im Urin 4
Praktisches Vorgehen bei Substanzwahl
Wenn möglich, bevorzugen Sie Risperidon oder Aripiprazol bei Patienten mit Hyponatriämie-Risikofaktoren (hohes Alter, weibliches Geschlecht, Polypharmazie, Diuretika-Einnahme) 1. Bei Notwendigkeit von FGAs ist besondere Vorsicht und engmaschiges Monitoring erforderlich 1.