Management eines Patienten mit Fieber 39,4°C, Erbrechen und Durchfall
Die sofortige orale Rehydratation ist die wichtigste Maßnahme und sollte unverzüglich begonnen werden, während gleichzeitig eine sorgfältige Beurteilung auf Warnzeichen erfolgt, die eine intensivere Behandlung erfordern würden. 1
Initiale Beurteilung und Risikostratifizierung
Die Kombination von hohem Fieber (39,4°C), Erbrechen und Durchfall erfordert eine systematische Evaluation:
- Dehydratationsstatus beurteilen: Achten Sie auf Durst, Tachykardie, orthostatische Veränderungen, verminderte Urinausscheidung, Lethargie und verminderten Hautturgor 1
- Stuhlcharakteristika dokumentieren: Häufigkeit, Volumen, Vorhandensein von Blut, Schleim oder Eiter 1
- Systemische Symptome erfassen: Das Fieber von 39,4°C deutet auf eine entzündliche/invasive Infektion hin und erfordert besondere Aufmerksamkeit 1
- Epidemiologische Risikofaktoren klären: Reiseanamnese, Lebensmittelkonsum, Kontakt zu erkrankten Personen, Medikamenteneinnahme (insbesondere Antibiotika), Immunstatus 1
Wichtiger Hinweis: Bei diesem Fieber (>38,5°C) mit Durchfall liegt wahrscheinlich eine bakterielle entzündliche Diarrhoe vor, was die Behandlungsstrategie beeinflusst 1.
Sofortige Behandlungsmaßnahmen
Rehydratation (höchste Priorität)
- Orale Rehydratationslösung (ORS) sofort beginnen: 8-10 große Gläser klarer Flüssigkeiten täglich (z.B. WHO-ORS, Elektrolytlösungen, Brühe) 1
- WHO-empfohlene ORS-Zusammensetzung: Na 90 mM, K 20 mM, Cl 80 mM, HCO₃ 30 mM, Glukose 111 mM - erhältlich als Ceralyte, Pedialyte oder Apothekenherstellung 1
- Bei anhaltendem Erbrechen: Warten Sie 10 Minuten nach Erbrechen, dann langsam in kleinen Schlucken in kurzen Intervallen weitergeben - das meiste wird trotz Erbrechen zurückgehalten 2, 3
- Nasogastrale Sonde erwägen: Bei moderater Dehydratation und Unfähigkeit zur oralen Aufnahme 1
Antiemetische Therapie
- Ondansetron kann gegeben werden: Zur Erleichterung der oralen Rehydratation bei signifikantem Erbrechen (bei Erwachsenen und Kindern >4 Jahre) 1, 3
- Vorsicht: QTc-Monitoring ist essentiell, besonders wenn andere QTc-verlängernde Medikamente verwendet werden 1
Diätetische Maßnahmen
- Sofort stoppen: Alle laktosehaltigen Produkte, Alkohol und hochosmolare Nahrungsergänzungsmittel 1
- Empfohlen: Häufige kleine Mahlzeiten (Bananen, Reis, Apfelmus, Toast, einfache Pasta) 1
- Fettreiche, schwere, scharfe Speisen und Koffein vermeiden 1
Medikamentöse Symptomkontrolle
Loperamid - MIT VORSICHT bei diesem Patienten
KRITISCHE EINSCHRÄNKUNG: Bei Fieber ≥38,5°C und Verdacht auf entzündliche Diarrhoe sollte Loperamid VERMIEDEN werden, da das Risiko eines toxischen Megakolons besteht 1.
- Wenn Fieber sinkt und keine blutigen Stühle vorliegen: Loperamid 4 mg initial, dann 2 mg alle 4 Stunden oder nach jedem ungeformten Stuhl (maximal 16 mg/Tag) 1
- Niemals bei Kindern <18 Jahren verwenden 1
Antibiotische Therapie - Entscheidungskriterien
Bei diesem Patienten mit Fieber 39,4°C ist eine empirische antibiotische Therapie zu erwägen:
Indikationen für Antibiotika
- Hohes Fieber (>38,5°C) mit Durchfall deutet auf invasive bakterielle Infektion hin 1
- Dysenterie-Syndrom: Fieber, Tenesmen, Blut/Eiter im Stuhl 1
- Immunsupprimierte Patienten 1
- Schwere systemische Symptome oder Sepsis-Zeichen 1
Empirische Antibiotika-Wahl (wenn indiziert)
- Azithromycin (bevorzugt) oder Fluorochinolon (Ciprofloxacin) basierend auf lokalen Resistenzmustern 4
- Stuhlkulturen VOR Antibiotikagabe abnehmen, wenn möglich 1
Diagnostische Abklärung
- Stuhluntersuchung indiziert bei: Persistierenden Symptomen >48 Stunden, klinischer Verschlechterung, blutigem Stuhl, Immunsuppression 1
- Tests umfassen: Stuhlkultur (Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, E. coli), Leukozyten im Stuhl, C. difficile-Toxin bei Antibiotika-Anamnese 1
- Blutbild und Elektrolyte: Bei Zeichen schwerer Dehydratation oder systemischer Erkrankung 1
Warnzeichen für Hospitalisierung
Sofortige ärztliche Vorstellung oder Krankenhauseinweisung bei:
- Zeichen schwerer Dehydratation (Hypotonie, Tachykardie, Oligurie, Bewusstseinstrübung) 1
- Anhaltendes hohes Fieber trotz Behandlung 1
- Unfähigkeit zur oralen Flüssigkeitsaufnahme 1
- Blutige Stühle mit zunehmender Frequenz 4
- Zeichen eines akuten Abdomens oder Ileus 1
- Keine Besserung nach 48 Stunden konservativer Therapie 4
Monitoring und Verlaufskontrolle
- Patient sollte Stuhlfrequenz dokumentieren und Symptome lebensbedrohlicher Komplikationen melden (Fieber, Schwindel beim Aufstehen) 1
- Erwarteter Verlauf: Bei adäquater supportiver Therapie Besserung innerhalb von 5-7 Tagen 4
- Loperamid absetzen: Nach 12-stündigem durchfallfreiem Intervall 1, 4
- Schrittweise Rückkehr zur normalen Ernährung, Laktose weiterhin meiden bis zur vollständigen Genesung 4
Häufige Fallstricke
- Loperamid bei hohem Fieber geben: Dies kann bei invasiver bakterieller Infektion zu toxischem Megakolon führen 1
- Orale Rehydratation bei Erbrechen aufgeben: Die meiste Flüssigkeit wird trotz Erbrechen zurückgehalten - langsam in kleinen Schlucken weitergeben 2, 3
- Zu frühe intravenöse Flüssigkeitsgabe: Orale Rehydratation ist genauso effektiv bei leichter bis moderater Dehydratation 1, 3
- Empirische Antibiotika ohne Berücksichtigung klinischer Zeichen: Bei wässrigem Durchfall ohne Fieber sind Antibiotika meist nicht indiziert 1