Mönchspfeffer und Magnesium bei Endometriose
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) und Magnesium sind NICHT als Behandlung für Endometriose empfohlen, da keine evidenzbasierten Leitlinien diese Therapien für Endometriose unterstützen – die etablierten Behandlungen umfassen NSAIDs, hormonelle Therapien (orale Kontrazeptiva, Gestagene, GnRH-Agonisten) und chirurgische Intervention.
Warum Mönchspfeffer und Magnesium nicht für Endometriose empfohlen werden
Die aktuellen Leitlinien der American Academy of Family Physicians und des American College of Obstetricians and Gynecologists nennen ausschließlich folgende evidenzbasierte Therapien für Endometriose: 1, 2
- NSAIDs als Erstlinientherapie zur sofortigen Schmerzlinderung 2, 3
- Hormonelle Therapien: Orale Kontrazeptiva, Gestagene, GnRH-Agonisten und Danazol 1, 2
- Chirurgische Therapie bei schwerer Endometriose oder Versagen der medikamentösen Behandlung 1, 2
Mönchspfeffer und Magnesium werden in keiner dieser Leitlinien für Endometriose erwähnt.
Was die Forschung zu Mönchspfeffer zeigt
Die verfügbare Evidenz zu Vitex agnus-castus bezieht sich ausschließlich auf prämenstruelles Syndrom (PMS), nicht auf Endometriose:
- Eine systematische Übersichtsarbeit von 2017 zeigte zwar einen großen gepoolten Effekt von Mönchspfeffer bei PMS-Symptomen (Hedges g: -1,21), aber die Autoren warnen vor hohem Bias-Risiko, extremer Heterogenität (I² = 91%) und Publikationsbias 4
- Die Autoren schlussfolgern explizit, dass "die gepoolten Behandlungseffekte bestenfalls den realen Behandlungseffekt überschätzen" und keine definitive Schlussfolgerung möglich ist 4
- Studien zu Mönchspfeffer mit Magnesium und Vitamin B6 untersuchten nur PMS, nicht Endometriose 5, 6, 7
Wichtiger Unterschied: PMS und Endometriose sind unterschiedliche Erkrankungen mit verschiedenen Pathomechanismen. PMS ist eine hormonell bedingte zyklische Symptomatik ohne strukturelle Pathologie, während Endometriose eine chronische Erkrankung mit ektopem Endometriumgewebe ist, das Entzündungen, Adhäsionen und chronische Schmerzen verursacht 1, 8.
Empfohlene evidenzbasierte Behandlung für Endometriose
Erstlinientherapie
- NSAIDs in angemessenen Dosen und Zeitplänen zur sofortigen Schmerzlinderung 2, 3
- Orale Kontrazeptiva (kontinuierlich eingenommen) sind genauso wirksam wie GnRH-Agonisten zur Schmerzkontrolle, verursachen aber deutlich weniger Nebenwirkungen und sind kostengünstig 2, 9
- Gestagene (oral oder Depot-Medroxyprogesteronacetat) zeigen vergleichbare Wirksamkeit 1, 2, 9
Zweitlinientherapie
- GnRH-Agonisten für mindestens 3 Monate bei therapierefraktären Fällen, mit obligatorischer Add-back-Therapie zur Verhinderung von Knochenmineralverlust 1, 2, 3
- Danazol für mindestens 6 Monate zeigt äquivalente Wirksamkeit zu GnRH-Agonisten (Level A Evidenz) 1
Chirurgische Therapie
- Bei schwerer Endometriose kann medikamentöse Behandlung allein unzureichend sein 1, 2
- Chirurgische Exzision durch einen Spezialisten gilt als definitive Behandlung 2
- Wichtiger Vorbehalt: Bis zu 44% der Frauen erleben innerhalb eines Jahres nach der Operation ein Symptomrezidiv 1, 2, 3
Kritische klinische Überlegungen
- Keine medikamentöse Therapie eradiziert Endometriose-Läsionen vollständig – alle Behandlungen zielen auf Symptomkontrolle ab 1, 2
- Die Schmerzintensität korreliert schlecht mit dem laparoskopischen Erscheinungsbild, aber die Tiefe der Läsionen korreliert mit der Schmerzschwere 3
- Medikamentöse Behandlung verbessert nicht die zukünftige Fertilität 1
- Bei postoperativen Patientinnen ist eine Hormonersatztherapie mit Östrogen nach Hysterektomie und beidseitiger Salpingo-Oophorektomie nicht kontraindiziert 1, 2
Fazit zur Frage
Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Verwendung von Mönchspfeffer und Magnesium bei Endometriose. Die Studien zu diesen Substanzen beziehen sich ausschließlich auf PMS, und selbst dort ist die Evidenzqualität fragwürdig. Stattdessen sollten die etablierten, leitlinienbasierten Therapien verwendet werden, beginnend mit NSAIDs und hormonellen Kontrazeptiva, gefolgt von GnRH-Agonisten bei Therapieversagen und chirurgischer Intervention bei schwerer Erkrankung 1, 2, 3, 9.