Therapie bei Osteopenie mit hohem Frakturrisiko
Bei einer Patientin mit Osteopenie und hohem Frakturrisiko in der DEXA-Untersuchung sollte eine pharmakologische Therapie mit oralen Bisphosphonaten (Alendronat oder Risedronat) eingeleitet werden, wenn das 10-Jahres-Frakturrisiko ≥20% für osteoporotische Frakturen oder ≥3% für Hüftfrakturen beträgt. 1, 2
Risikoeinschätzung und Behandlungsindikation
Die Entscheidung zur Therapie basiert nicht allein auf dem T-Score, sondern auf dem absoluten Frakturrisiko:
- FRAX-Berechnung durchführen: Das 10-Jahres-Frakturrisiko sollte mittels WHO FRAX-Tool berechnet werden 1
- Behandlungsschwellen: Therapie ist indiziert bei:
Wichtiger Hinweis: Bei Osteopenie variiert das Frakturrisiko erheblich. Frauen ≥65 Jahre mit schwerem Osteopenie-Grad (T-Score <-2,0) profitieren deutlich mehr als jüngere Frauen mit mildem Osteopenie-Grad (T-Score zwischen -1,0 und -1,5) 1
Zusätzliche Risikofaktoren berücksichtigen
Folgende Faktoren erhöhen das Frakturrisiko unabhängig vom T-Score und sollten in die Entscheidung einfließen 1:
- Niedriges Körpergewicht oder Gewichtsverlust
- Rauchen
- Familiäre Hüftfraktur-Anamnese
- Verminderte körperliche Aktivität
- Alkohol- oder Koffeinkonsum
- Niedrige Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr
- Kortikosteroid-Therapie
Vertebrale Frakturbeurteilung (VFA)
VFA sollte durchgeführt werden bei Patientinnen mit T-Score <-1,0 und einem der folgenden Kriterien 1:
- Alter ≥70 Jahre
- Größenverlust >4 cm
- Selbstberichtete, aber nicht dokumentierte Wirbelkörperfraktur
- Glukokortikoid-Therapie ≥5 mg Prednison-Äquivalent täglich für 3 Monate
Entscheidend: 10-17% der Patientinnen mit Osteopenie haben Grad-2- oder Grad-3-Wirbelkörperfrakturen, die eine Behandlungsindikation darstellen, unabhängig vom FRAX-Score 1
Erstlinientherapie
Orale Bisphosphonate sind die Therapie der ersten Wahl 1, 2:
- Alendronat oder Risedronat werden empfohlen
- Evidenz: Eine Post-hoc-Analyse von 4 großen RCTs zeigte bei Frauen mit fortgeschrittener Osteopenie (T-Score nahe -2,5) eine 73%ige Reduktion des Frakturrisikos unter Risedronat im Vergleich zu Placebo 1
- Die Frakturreduktion ist vergleichbar mit der bei manifester Osteoporose 1
Begleittherapie (obligatorisch)
Alle Patientinnen müssen erhalten 1, 2:
- Kalzium: 1.000-1.500 mg täglich 1, 2
- Vitamin D: 800-1.000 IE täglich 1, 2
- Gewichtstragende Übungen: Mindestens 30 Minuten, 3x wöchentlich 1
- Raucherentwöhnung und Alkoholreduktion 1
Monitoring
DEXA-Kontrolle nach 2 Jahren Therapie 1, 3:
- Vergleich der BMD-Werte (nicht T-Scores) auf demselben Gerät 1, 3
- Bei Patientinnen mit T-Score ≤-2,0: Kontrollen alle 2 Jahre 3
- Bei T-Score >-2,0 ohne Risikofaktoren: Keine routinemäßigen Kontrollen erforderlich 3
- Intervalle <1 Jahr sind nicht empfohlen 1, 3
Wichtige Fallstricke
- Nicht behandeln basierend auf T-Score allein: 60% der Frauen >64 Jahre haben Osteopenie, aber nur ein Bruchteil benötigt Therapie 4
- FRAX unterschätzt möglicherweise das Risiko: FRAX berücksichtigt nicht Sturzanamnese, Anzahl/Zeitpunkt früherer Frakturen oder Gebrechlichkeit 1
- Trabecular Bone Score (TBS): Kann als Zusatzinstrument zur Verbesserung der Risikoeinschätzung dienen, sollte aber nicht allein verwendet werden 1
Alternative Therapieoptionen
Falls Bisphosphonate kontraindiziert oder nicht toleriert werden 5: