Histaminarme Ernährung bei Hereditary Alpha-Tryptasemia (HAT)
Eine histaminarme Diät ist bei HAT-Patienten nicht routinemäßig erforderlich, aber Alkohol und andere spezifische Mastzell-Trigger sollten strikt gemieden werden, wenn der Patient symptomatisch ist.
Primäre Behandlungsstrategie
Die Behandlung von HAT konzentriert sich auf Symptomkontrolle durch Medikamente und Trigger-Vermeidung, nicht auf generelle Ernährungsrestriktionen 1, 2:
- H1- und H2-Antihistaminika sind die Erstlinientherapie zur Symptomkontrolle 1, 3
- Mastzellstabilisatoren werden bei gastrointestinalen und neuropsychiatrischen Symptomen eingesetzt 1, 3
- Zwei Adrenalin-Autoinjektoren müssen aufgrund des erhöhten Anaphylaxierisikos mitgeführt werden 1
Spezifische Trigger-Vermeidung statt genereller Diät
Die American Academy of Allergy, Asthma, and Immunology empfiehlt die Vermeidung spezifischer Trigger, die Mastzellaktivierung auslösen 1:
- Alkohol: Vollständige Vermeidung bei symptomatischen HAT-Patienten, einschließlich alkoholhaltiger Lebensmittel 4
- Extreme Hitze und heißes Wasser 1
- Körperliche Reize und postprandiale Belastung 1
- Stress und hormonelle Schwankungen 1
Warum Alkohol besonders wichtig ist
Alkohol fungiert als potenzierender Faktor für Mastzellaktivierung bei HAT-Patienten und kann Degranulation auslösen, selbst wenn er in Lebensmitteln enthalten ist 4. Die individuelle Empfindlichkeit ist wichtiger als die konsumierte Menge 4.
Evidenz zur histaminarmen Diät
Es gibt keine spezifischen Leitlinien, die eine histaminarme Diät für HAT empfehlen. Die verfügbare Forschung zeigt erhebliche Probleme:
- Histaminarme Diäten in der Literatur sind extrem heterogen, und nur 32% der ausgeschlossenen Lebensmittel lassen sich durch hohen Histamingehalt erklären 5
- Nur fermentierte Lebensmittel werden einheitlich ausgeschlossen 5
- Viele ausgeschlossene Lebensmittel enthalten keine oder sehr niedrige Mengen biogener Amine 5
Wichtiger Unterschied: HAT vs. Histaminintoleranz
HAT ist nicht dasselbe wie Histaminintoleranz (HIT). Bei HIT liegt ein Diaminoxidase-Mangel (<10 U/mL) vor, der die Histaminabbaustörung verursacht 6. Bei HAT ist das Problem die erhöhte Mastzellmediator-Freisetzung durch genetisch bedingte Alpha-Tryptase-Überproduktion 2.
Praktisches Vorgehen
Für asymptomatische HAT-Patienten:
- Keine spezielle Diät erforderlich 1, 2
- Aufklärung über Trigger-Vermeidung 1
- Prophylaktische H1/H2-Antihistaminika können erwogen werden 1
Für symptomatische HAT-Patienten:
- Medikamentöse Basistherapie mit H1- und H2-Antihistaminika etablieren 1, 3
- Strikte Alkoholvermeidung implementieren 4
- Individuelle Trigger identifizieren durch Symptomtagebuch 4
- Mastzellstabilisatoren bei gastrointestinalen Symptomen hinzufügen 1
- Omalizumab bei schwerer Urtikaria oder Anaphylaxie erwägen 3
Häufige Fallstricke:
- Verwechslung mit Histaminintoleranz: HAT-Patienten benötigen keine generelle histaminarme Diät, sondern Trigger-Vermeidung und medikamentöse Therapie 1, 2
- Übermäßige Ernährungsrestriktionen: Diese können zu Mangelernährung führen ohne nachgewiesenen Nutzen 5
- Unterschätzung des Anaphylaxierisikos: HAT erhöht das Risiko für schwere anaphylaktische Reaktionen unabhängig von der Ernährung 3, 2