Blutspende bei Hereditärer Alpha-Tryptasämie (HaT)
Personen mit Hereditärer Alpha-Tryptasämie können grundsätzlich Blut spenden, sofern keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen, die auch andere potenzielle Spender ausschließen würden.
Grundlegende Überlegungen zur Blutspende bei HaT
Die verfügbaren Leitlinien enthalten keine spezifischen Ausschlusskriterien für HaT bei der Blutspende. Die Hereditäre Alpha-Tryptasämie ist ein autosomaler dominanter genetischer Trait, der 4-6% der Allgemeinbevölkerung betrifft und durch erhöhte basale Serum-Tryptase-Werte charakterisiert ist 1, 2. HaT ist keine übertragbare Erkrankung und stellt per se kein Risiko für Blutempfänger dar.
Entscheidungsalgorithmus für die Spenderfähigkeit
Schritt 1: Bewertung der klinischen Manifestationen
Die Spenderfähigkeit hängt von den individuellen klinischen Manifestationen ab, nicht von der HaT-Diagnose selbst:
- Asymptomatische HaT-Träger: Keine Kontraindikation zur Blutspende 1, 2
- Symptomatische HaT-Träger: Bewertung basierend auf spezifischen Symptomen erforderlich 3
Schritt 2: Ausschlusskriterien prüfen
Folgende HaT-assoziierte Zustände können die Spenderfähigkeit beeinträchtigen:
Absolute Kontraindikationen:
- Aktive Anaphylaxie oder schwere anaphylaktische Reaktionen in der Vorgeschichte, die eine Dauermedikation erfordern 1, 4
- Systemische Mastozytose (bei 12-21% der HaT-Patienten vorhanden) 3
- Medikation mit Omalizumab zur Kontrolle von Urtikaria oder Anaphylaxie 1
Relative Kontraindikationen:
- Chronische Medikation mit H1-/H2-Blockern, Leukotrienantagonisten oder Cromoglicinsäure 1
- Kardiovaskuläre Manifestationen wie Hypotonie oder Tachykardie 3
- Gastrointestinale Symptome, die die Spenderfähigkeit beeinträchtigen könnten 3
Schritt 3: Standardkriterien für Blutspende anwenden
Die allgemeinen Ausschlusskriterien für Blutspender gelten unverändert 5:
- Keine aktiven Infektionen (HIV, Hepatitis B/C, Syphilis) 5
- Keine Malignome in der Anamnese (außer geheilte Tumoren nach onkologischer Freigabe) 5
- Hämoglobin-Werte im akzeptablen Bereich 5
- Keine schweren kardiovaskulären oder pulmonalen Erkrankungen 5
Wichtige Fallstricke und Besonderheiten
Erhöhte Tryptase-Werte sind kein Ausschlusskriterium: Die charakteristisch erhöhten basalen Serum-Tryptase-Werte (≥8 ng/mL) bei HaT resultieren aus erhöhter Pro-Alpha-Tryptase-Synthese, nicht aus Mastzellaktivierung, und stellen keine Gefahr für Empfänger dar 2.
Anaphylaxie-Risiko beachten: HaT ist ein Modifikator, der die Inzidenz und Schwere von Anaphylaxie unabhängig erhöht 2, 4. Spender mit HaT und rezidivierenden schweren anaphylaktischen Reaktionen sollten von der Spende ausgeschlossen werden, da die zugrunde liegende Instabilität ein Risiko während der Spende darstellt 1, 4.
Medikamentöse Therapie: Die Dauertherapie mit Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren kann je nach nationalen Richtlinien der Blutspendedienste eine temporäre oder dauerhafte Kontraindikation darstellen 1.
Praktische Empfehlung
Für asymptomatische HaT-Träger ohne Medikation und ohne Anaphylaxie-Anamnese besteht keine medizinische Kontraindikation zur Blutspende. Die Entscheidung sollte auf den Standard-Spenderkriterien basieren, die für alle potenziellen Spender gelten 5. Bei symptomatischen HaT-Trägern ist eine individuelle Bewertung durch den Blutspendedienst erforderlich, wobei die spezifischen klinischen Manifestationen und nicht die HaT-Diagnose selbst ausschlaggebend sind 3.