Quercetin und Luteolin bei Hereditärer Alpha-Tryptasämie
Direkte Antwort
Es gibt keine Evidenz dafür, dass Quercetin oder Luteolin bei der Behandlung von Hereditärer Alpha-Tryptasämie (HAT) wirksam sind, und sie werden in keiner aktuellen Leitlinie für diese Erkrankung empfohlen.
Etablierte Behandlungsempfehlungen für HAT
Die American Academy of Allergy, Asthma, and Immunology empfiehlt für HAT-Patienten folgende evidenzbasierte Therapieansätze 1:
Erstlinientherapie
- H1- und H2-Antihistaminika als Basistherapie zur Kontrolle von Mastzell-Mediator-assoziierten Symptomen 1, 2
- Leukotrienantagonisten als zusätzliche Option 1, 3
- Omalizumab (Anti-IgE-Antikörper) bei refraktärer Anaphylaxie oder Urtikaria, mit einer Erfolgsrate von 94% bei HAT-Patienten 2, 3
Notfallmanagement
- Epinephrin-Autoinjektoren müssen bei allen HAT-Patienten verfügbar sein 1
- H1-Blocker und Steroide sind in Notfallsituationen ausreichend 3
Warum Quercetin und Luteolin nicht empfohlen werden
Die verfügbare Evidenz zu Quercetin und Luteolin bezieht sich ausschließlich auf andere Erkrankungen:
- Quercetin wurde nur bei nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) in Tierstudien untersucht, wo es die Darmmikrobiota moduliert und Leberverfettung reduziert 4
- Diese Polyphenole wirken primär über Modulation der Darmmikrobiota und haben keinen nachgewiesenen Effekt auf Mastzellaktivierung oder Tryptase-Spiegel 4
- Keine einzige Studie oder Leitlinie untersucht oder empfiehlt diese Substanzen für HAT oder Mastzell-assoziierte Erkrankungen 1, 2, 3
Wichtige klinische Überlegungen
Symptomkontrolle
85% der HAT-Patienten nehmen H1- oder H2-Antihistaminika mit partieller Symptomlinderung 2. Bei unzureichender Kontrolle sollte die Therapie eskaliert werden zu:
- Kombination von H1- und H2-Blockern 1, 3
- Hinzufügen von Leukotrienantagonisten 1, 3
- Omalizumab bei schwerer Anaphylaxie oder Urtikaria 2, 3
Triggervermeidung
Dokumentieren und vermeiden Sie identifizierte Auslöser: heißes Wasser, Alkohol, bestimmte Medikamente, physischer oder emotionaler Stress, körperliche Anstrengung, hormonelle Schwankungen, Infektionen und physikalische Reize wie Druck oder Reibung 1.
Häufige Fallstricke
- HAT kann mit Ehlers-Danlos-Syndrom und posturaler orthostatischer Tachykardie-Syndrom (POTS) koexistieren, aber diese Erkrankungen werden nicht durch Mastzellaktivierung verursacht und erfordern unabhängige, evidenzbasierte Behandlung 1
- Basale Tryptase-Spiegel bei HAT können bereits ab 6,2 ng/mL erhöht sein, nicht nur über 11,4 ng/mL 2
- HAT ist ein Risikofaktor für schwere anaphylaktische Reaktionen, besonders bei Insektengiftallergien 3, 5, 6
Genetische Testung und Familienscreening
Erstgradige Verwandte mit anaphylaktischen Reaktionen oder Symptomen einer Mastzell-Mediator-Freisetzung sollten nach Messung der basalen Serum-Tryptase auf HAT getestet werden 3.