Delirauslösende Arzneimittel
Medikamente, die Delir auslösen können
Vermeiden Sie bei älteren Patienten und Patienten mit kognitiver Beeinträchtigung konsequent Benzodiazepine, Anticholinergika (insbesondere Diphenhydramin, Hydroxyzin, trizyklische Antidepressiva, Oxybutynin, Cyclobenzaprin), Meperidin und H2-Rezeptor-Antagonisten wie Cimetidin, da diese Medikamente stark mit der Entwicklung von Delir assoziiert sind. 1
Hochrisiko-Medikamentenklassen
Die American Geriatrics Society identifiziert folgende Medikamente mit starker Evidenz für Delir-Induktion:
Benzodiazepine (z.B. Midazolam, Lorazepam): Odds Ratio 3.0 (95% CI 1.3-6.8) für Delir-Entwicklung 2
- Ausnahme: Bei Alkohol- oder Benzodiazepin-Entzug ist eine Behandlung mit Benzodiazepinen notwendig, um Entzugskomplikationen zu verhindern 1
Anticholinerge Medikamente zeigen die stärkste Assoziation mit postoperativem Delir 1:
- Diphenhydramin und Hydroxyzin (Antihistaminika)
- Trizyklische Antidepressive
- Paroxetin
- Oxybutynin (Blasenspasmolytikum)
- Cyclobenzaprin (Muskelrelaxans)
- Prochlorperazin und Promethazin (Antiemetika)
Opioide erfordern besondere Vorsicht 2:
H2-Rezeptor-Antagonisten wie Cimetidin 1
Sedativa-Hypnotika 1
Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker: Odds Ratio 2.4 (95% CI 1.0-5.8) 2
Polypharmazie als Risikofaktor
- Die gleichzeitige Anwendung von fünf oder mehr Medikamenten erhöht das Delir-Risiko signifikant 1
- Medikamente, die zum Serotonin-Syndrom beitragen können, erhöhen ebenfalls das Delir-Risiko 1
Mechanismen der Delir-Induktion
Die Pathophysiologie umfasst Neurotransmitter-Ungleichgewichte, insbesondere:
- Cholinerge Dysfunktion (Acetylcholin-Mangel) 3, 4
- Dopaminerge Überaktivität 4
- GABA-Dysregulation 4
- Neuroinflammation und neuronale Schädigung 5
Praktische Empfehlungen zur Prävention
Bei Risikopatienten (ältere Patienten, kognitive Beeinträchtigung):
Medikamentenüberprüfung durchführen:
Schmerzmanagement optimieren:
Vorsicht bei älteren Patienten:
Wichtige Ausnahmen und Fallstricke
Diphenhydramin-Ausnahme: Bei schweren allergischen Reaktionen oder Transfusionsreaktionen kann die Anwendung trotz Delir-Risiko notwendig sein 1
Antipsychotika zur Delir-Prophylaxe: Es gibt unzureichende Evidenz für oder gegen die prophylaktische Anwendung von Antipsychotika zur Delir-Prävention 1
Cholinesterase-Hemmer: Sollten bei Patienten, die diese nicht bereits einnehmen, perioperativ nicht neu angesetzt werden zur Delir-Prävention oder -Behandlung 1