Medikamente zur Behandlung von Delir
Bei leichtem bis mittelschwerem Delir sollten Haloperidol und Risperidon NICHT verwendet werden, da sie keinen nachweisbaren Nutzen zeigen; stattdessen sind Olanzapin, Quetiapin oder Aripiprazol die bevorzugten Optionen für symptomatische Behandlung, wenn pharmakologische Intervention erforderlich ist. 1, 2
Grundprinzipien der Delirbehandlung
Die Behandlung muss immer mit der Identifikation und Korrektur der zugrunde liegenden Ursachen beginnen, nicht mit Medikamenten. 1, 3
Reversible Ursachen behandeln (Priorität vor Medikamenten):
- Hyperkalzämie: Intravenöse Bisphosphonate (Pamidronat oder Zoledronat) können Hyperkalzämie kontrollieren und Delir in erheblicher Anzahl von Fällen umkehren 1, 3
- Opioid-induziertes Delir: Opioid-Rotation zu Fentanyl oder Methadon ist eine wirksame Strategie (äquianalgetische Dosis um 30-50% reduzieren) 1, 3
- SIADH: Absetzen der verursachenden Medikamente, Flüssigkeitsrestriktion und ausreichende orale Salzzufuhr 1, 3
- Hypomagnesiämie: Magnesiumersatz 1, 3
- Infektionen: Behandeln, wenn dies mit den Behandlungszielen des Patienten übereinstimmt 1
Pharmakologische Behandlung: Wann und Was
Indikationen für Medikamente:
Medikamente sollten nur verwendet werden bei: 1, 2
- Schwerer Agitation mit Sicherheitsrisiko für Patient oder andere
- Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen, Illusionen)
- Anhaltenden belastenden Delirsymptomen trotz nicht-pharmakologischer Maßnahmen
Erstlinienmedikamente (bei Bedarf für symptomatische Behandlung):
- Dosierung: 2,5-5 mg oral als Anfangsdosis (alle 12 Stunden bei regelmäßiger Dosierung)
- Vorteile: Kann Nutzen bei symptomatischer Behandlung von Delir bieten; weniger wahrscheinlich extrapyramidale Nebenwirkungen als andere atypische Antipsychotika
- Vorsicht: Sedierend; kann orthostatische Hypotonie verursachen; Dosis bei älteren Patienten und Leberfunktionsstörung reduzieren
- Nur oral verfügbar
- Dosierung: 50-100 mg oral/sublingual zweimal täglich
- Vorteile: Kann Nutzen bei symptomatischer Behandlung von Delir bieten
- Empfohlen als Erstlinienmedikament zusammen mit Olanzapin 2
- Dosierung: 5 mg oral oder i.m. als Anfangsdosis (alle 24 Stunden bei regelmäßiger Dosierung)
- Vorteile: Weniger wahrscheinlich extrapyramidale Nebenwirkungen
- Vorsicht: Cytochrom P450 2D6 und 3A4 Arzneimittelinteraktionen; Dosis bei älteren Patienten reduzieren
NICHT empfohlene Medikamente für leichtes bis mittelschweres Delir:
Haloperidol und Risperidon zeigen KEINEN nachweisbaren Nutzen bei der symptomatischen Behandlung von leichtem bis mittelschwerem Delir und werden in diesem Kontext NICHT empfohlen. 1, 3
Haloperidol - Nur für schwere Agitation mit Sicherheitsrisiko:
Haloperidol sollte NUR für schwere Agitation reserviert werden, die ein Sicherheitsrisiko darstellt. 2, 3
- Dosierung bei schwerer Agitation: 0,5-2 mg alle 1 Stunde nach Bedarf bis Episode unter Kontrolle ist 3
- Dosierung bei weniger schweren Fällen: 0,5-1 mg zweimal täglich 3
- Vorsicht: Kann selbst Delir verschlimmern; extrapyramidale Nebenwirkungen; QTc-Verlängerung
Risperidon - Begrenzte Rolle:
- Dosierung: 0,5 mg oral als Anfangsdosis (bis zu alle 12 Stunden bei regelmäßiger Dosierung) 1
- Vorsicht: Erhöhtes Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen bei Dosis > 6 mg/24 h; kann Schlaflosigkeit, Agitation verursachen 1, 4
- Nicht empfohlen für leichtes bis mittelschweres Delir 1
Benzodiazepine: Spezifische Indikationen
Benzodiazepine sollten NICHT als Erstlinienbehandlung für Delir verwendet werden, außer bei Alkohol- oder Benzodiazepin-Entzug. 1, 5, 6
Wann Benzodiazepine zu verwenden sind:
- Alkohol- oder Benzodiazepin-Entzug: Behandlung der Wahl als Monotherapie 1
- Refraktäre Agitation: Nur wenn hohe Dosen von Antipsychotika versagt haben 1, 3
- Krisenmedikation: Bei schwerer Agitation und Belastung 1
Midazolam: 1
- Dosierung: 2,5 mg s.c. oder i.v. alle 1 Stunde nach Bedarf (bis zu 5 mg Maximum)
- Bei älteren/gebrechlichen Patienten: 0,5-1 mg s.c./i.v. alle 1 Stunde nach Bedarf
- Dosierung: 1 mg s.c. oder i.v. als Anfangsdosis (bis zu 2 mg Maximum)
- Bei älteren/gebrechlichen Patienten: 0,25-0,5 mg s.c./i.v. alle 1 Stunde nach Bedarf
- Vorteil: Schneller Wirkungseintritt, kürzere Wirkdauer, kein Risiko der Akkumulation 6
WARNUNG: Benzodiazepine können selbst Delir verursachen oder verschlimmern; Todesfälle wurden bei gleichzeitiger Anwendung mit hochdosiertem Olanzapin berichtet 1
Spezielle Situation: Hypoaktives Delir
Methylphenidat kann die Kognition bei hypoaktivem Delir verbessern, bei dem weder Wahnvorstellungen noch Wahrnehmungsstörungen vorhanden sind und für das keine Ursache identifiziert wurde. 1, 3
Dosierungsprinzipien
- Beginnen Sie mit Bedarfsmedikation (PRN), nicht mit regelmäßiger Dosierung 1
- Verwenden Sie die niedrigste wirksame Dosis 1, 7
- Regelmäßige Dosierung nur bei anhaltenden belastenden Symptomen, für kürzeste Zeit möglich 1
- Setzen Sie alle Antipsychotika sofort nach Auflösung der belastenden Symptome ab 2
Häufige Fallstricke
- Antipsychotika und Benzodiazepine können selbst erhöhte Agitation und Delir verursachen 1
- Agitation kann mit Schmerzen verwechselt werden, was zu höheren Opioiddosen führt, die Delir verschlimmern können 3
- Hypoaktives Delir wird oft aufgrund seiner subtilen Präsentation unterdiagnostiziert 3
- Benzodiazepine allein können Delir verschlimmern und sollten nur bei Alkohol-/Sedativa-Entzug oder wenn Agitation refraktär gegenüber Antipsychotika ist, verwendet werden 3
- Kein Medikament ist derzeit weltweit für die Behandlung von Delir zugelassen 1
Patientenaufklärung und Familienunterstützung
Familien sollten präventiv Zugang zu Informationen über Delir haben, mit schriftlichen Materialien ergänzt durch psychologische Unterstützung, wenn Delir auftritt. 1, 2