Risiko der QT-Zeit-Verlängerung bei Atarax, Melperon und Quetiapin
Direkte Empfehlung
Die gleichzeitige Anwendung von Hydroxyzin (Atarax), Melperon und Quetiapin sollte vermieden werden, da diese Kombination das Risiko für QT-Verlängerung und lebensbedrohliche Arrhythmien erheblich erhöht. 1, 2
Spezifisches Risikoprofil der einzelnen Medikamente
Quetiapin
- Verursacht eine mittlere QTc-Verlängerung von 6 ms 3
- Erhöht das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien und plötzlichen Herztod um das 1,29-fache (95% CI 1,07-1,56) 2
- Verursacht eine 3-fach stärkere QTc-Verlängerung im Vergleich zu Olanzapin 2
- Bei akuter Überdosierung wird kontinuierliches Herzmonitoring nicht empfohlen, da das Risiko wahrscheinlich überschätzt wird 4
Hydroxyzin (Atarax)
- Wird als Medikament mit "bedingtem Risiko für Torsade de Pointes" eingestuft 5
- Hemmt konzentrationsabhängig mehrere kardiale Ionenkanäle, einschließlich hERG-Kaliumkanäle 5
- 59 Fälle von QT-Verlängerung und/oder Torsade de Pointes wurden zwischen 1955 und 2016 dokumentiert 5
- Alle Fälle außer bei absichtlicher Überdosierung betrafen Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren 5
Melperon
- Verursacht eine QT-Verlängerung im Bereich von 4-30 ms (genaue Daten für Melperon begrenzt) 6
- Wird in der Literatur als QT-verlängerndes Antipsychotikum aufgeführt 6
Kritische Risikofaktoren, die eine Kontraindikation darstellen
Absolute Kontraindikationen
- Baseline QTc >500 ms – keine QT-verlängernden Medikamente hinzufügen 2, 7
- QTc-Anstieg >60 ms vom Ausgangswert – sofortiges Absetzen erforderlich 1, 7
Hochrisikofaktoren (≥3 Faktoren = Kontraindikation für diese Kombination)
- Weibliches Geschlecht – höheres Risiko für QTc-Verlängerung und Torsade de Pointes 1, 2
- Alter >65 Jahre – erhöhtes Arrhythmierisiko 2, 3
- Elektrolytstörungen (Hypokaliämie <4,5 mEq/L, Hypomagnesiämie) 1, 2, 7
- Strukturelle Herzerkrankung 1, 3
- Familiäre Vorgeschichte von plötzlichem Herztod 7
- Bradykardie 1, 6
Obligatorisches Vorgehen bei unvermeidbarer Kombination
Vor Therapiebeginn (Klasse I-Empfehlung)
- EKG zur Bestimmung des Baseline-QTc – Fridericia-Formel bevorzugen 1, 7
- Serumkalium >4,5 mEq/L und Magnesium normalisieren 1, 2, 7
- Vollständige Medikamentenanamnese – andere QT-verlängernde Substanzen identifizieren 1, 2
- Kardiale Risikofaktoren optimieren vor Therapiebeginn 1
Während der Therapie (Klasse IIa-Empfehlung)
- EKG-Kontrolle nach 7 Tagen und nach jeder Dosisänderung 2, 7
- Regelmäßige Elektrolytkontrollen, besonders bei Diuretika-Einnahme 2, 7
- Sofortiges Absetzen bei QTc >500 ms oder Anstieg >60 ms 1, 7
Evidenzbasierte Alternativen mit geringerem Risiko
Erste Wahl (0 ms QTc-Verlängerung)
- Aripiprazol – keine messbare QTc-Verlängerung, bevorzugte Alternative 2, 3
- Brexpiprazol – keine klinisch signifikante QTc-Verlängerung 2
Zweite Wahl (minimale QTc-Verlängerung)
Für Sedierung ohne QTc-Risiko
- Lorazepam – keine QTc-Verlängerung 3
Klinischer Entscheidungsalgorithmus
Bei 0 Hochrisikofaktoren
- Kombination möglich mit intensivem Monitoring
- Baseline-EKG und Elektrolyte erforderlich 2
- EKG-Kontrolle nach 7 Tagen 2
Bei 1-2 Hochrisikofaktoren
- Wechsel zu Aripiprazol oder Olanzapin erwägen 2
- Wöchentliche EKG-Kontrollen initial 2
- Hypokaliämie vermeiden (Kalium >4,5 mEq/L) 1, 7
Bei ≥3 Hochrisikofaktoren oder QTc >500 ms
- Quetiapin nicht verwenden 2
- Zu Aripiprazol wechseln 2
- Kardiologische Konsultation bei absoluter Notwendigkeit einer antipsychotischen Therapie 2
- Strukturelle Herzerkrankung oder kardiale Symptome erfordern kardiologische Mitbeurteilung 1
Häufige Fallstricke
- Bazett-Formel bei Herzfrequenz >85/min vermeiden – überschätzt QTc und führt zu unnötigen Interventionen 7
- Kumulative Wirkung mehrerer Medikamente nicht unterschätzen – selbst Medikamente mit moderatem QT-Effekt sind problematisch in Kombination 2, 8
- Elektrolytstörungen vor Medikamentenwechsel korrigieren – sonst falsche Zuordnung der QTc-Veränderung 7
- Weibliches Geschlecht als eigenständiger Risikofaktor – Frauen haben inhärent höheres Risiko 1, 2
Management bei QTc-Verlängerung während Therapie
Bei QTc 450-480 ms
- Reversible Ursachen identifizieren 7
- EKG-Monitoring mindestens alle 8-12 Stunden 7
- Dosisreduktion QT-verlängernder Medikamente erwägen 7
Bei QTc 481-500 ms
- Häufigeres EKG-Monitoring 7
- Aggressive Elektrolytkorrektur 7
- Dosisreduktion der QT-verlängernden Medikamente 7
- Konkomitante QT-verlängernde Medikamente vermeiden 1, 7
Bei QTc >500 ms
- Sofortiges Absetzen der verursachenden Medikamente 1, 7
- Dringende Elektrolytkorrektur 7
- Kontinuierliches EKG-Monitoring bis zur Normalisierung 7
- Kardiologische Konsultation 7