Olanzapin bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen bei Mammakarzinom-Patientinnen
Olanzapin sollte bei Brustkrebspatientinnen, die eine hochemetogene Chemotherapie (einschließlich Anthrazyklin/Cyclophosphamid) erhalten, als Teil eines 4-Medikamenten-Regimes eingesetzt werden: NK1-Rezeptorantagonist, 5-HT3-Rezeptorantagonist, Dexamethason und Olanzapin 10 mg täglich an den Tagen 1-4. 1
Primäre Indikation und Dosierung
Prophylaktische Anwendung bei hochemetogener Chemotherapie:
- Olanzapin 10 mg oral täglich zur Schlafenszeit an den Tagen 1-4 in Kombination mit NK1-Rezeptorantagonist, 5-HT3-Rezeptorantagonist und Dexamethason 1, 2
- Diese Empfehlung basiert auf Phase-III-Studien mit hoher Evidenzqualität und starker Empfehlungsstärke 1
- Bei Anthrazyklin/Cyclophosphamid-Kombinationen (AC-Regime) wird Olanzapin an den Tagen 2-4 fortgesetzt, während Dexamethason nur am Tag 1 gegeben wird 1
Alternative Dosierung:
- Olanzapin 5 mg täglich ist ebenfalls wirksam und kann bei Patientinnen mit erhöhtem Sedierungsrisiko in Betracht gezogen werden 2, 3, 4
- In einer randomisierten Studie mit 218 Brustkrebspatientinnen reduzierte Olanzapin 5 mg die signifikante Übelkeit von 41,3% auf 27,7% (p=0,001) 3
Evidenz für Wirksamkeit bei Brustkrebs
Überlegene Kontrolle von Übelkeit:
- In Phase-III-Studien bei Patientinnen mit hochemetogener Chemotherapie (Cisplatin oder AC) erreichten 74% der Patientinnen mit Olanzapin "keine Übelkeit" versus 45% ohne Olanzapin 1, 2
- Die vollständige Ansprechrate (kein Erbrechen, keine Rescue-Medikation) betrug 86% mit Olanzapin versus 65% ohne Olanzapin 1, 2
Spezifische Daten für AC-Chemotherapie:
- Bei chinesischen Brustkrebspatientinnen mit AC-Chemotherapie: vollständige Ansprechrate 65,0% mit Olanzapin versus 38,3% ohne (p=0,0035) im Gesamtzeitraum 5
- In der verzögerten Phase (24-120 Stunden): 92,9% versus 74,2% (p=0,0254) 5
- Bei thailändischen Patientinnen mit AC: "keine Übelkeit" in der akuten Phase 50% versus 10,5% (p=0,008) 6
Durchbruch-Übelkeit und -Erbrechen
Wenn Übelkeit trotz optimaler Prophylaxe auftritt:
- Patientinnen, die Olanzapin nicht prophylaktisch erhalten haben, sollten Olanzapin 5-10 mg täglich zusätzlich zum Standard-Antiemetikum-Regime erhalten 1, 2
- In einer Studie mit 108 Patientinnen war Olanzapin dem Metoclopramid deutlich überlegen: 70% versus 31% ohne Erbrechen (p<0,01) und 68% versus 23% ohne Übelkeit (p<0,01) 1
- Keine Grad-3- oder Grad-4-Nebenwirkungen wurden beobachtet 1
Wirkmechanismus und pharmakologische Vorteile
Multi-Rezeptor-Antagonismus:
- Olanzapin blockiert dopaminerge, serotonerge, adrenerge, histaminerge und muskarinerge Rezeptoren, die alle an CINV-Pathways beteiligt sind 2
- Diese breite Rezeptorblockade adressiert Übelkeitswege, die durch 5-HT3-Antagonisten allein nicht ausreichend unterdrückt werden, insbesondere dopamin- und histaminvermittelte Wege 2
- Olanzapin hemmt oder induziert CYP3A4 nicht, wodurch keine Dexamethason-Dosisanpassungen erforderlich sind 2
Nebenwirkungen und Sicherheitsaspekte
Häufigste Nebenwirkung:
- Somnolenz tritt bei 35-54% der Patientinnen auf, ist aber in der Regel Grad 1-2 und kann durch abendliche Einnahme vorteilhaft sein 2, 3, 6
- In der Placebostudie: 40,8% Sedierung mit Placebo versus 54,1% mit Olanzapine (p<0,001) 3
Wichtige Sicherheitshinweise:
- Vorsicht bei älteren Patientinnen aufgrund erhöhter Mortalität bei älteren Patienten mit Demenz-assoziierter Psychose 2
- Vermeidung der gleichzeitigen Anwendung mit anderen Dopaminblockern, um übermäßige Dopaminblockade zu verhindern 2
- Seltene, aber schwerwiegende Hautreaktionen wie DRESS-Syndrom wurden berichtet 2
- Patientinnen sollten über Fahrtüchtigkeit und Bedienung von Maschinen aufgeklärt werden 2
Metabolische Parameter:
- In einer Studie mit Brustkrebspatientinnen zeigten sich keine Unterschiede bei Glukose- und Lipidparametern zwischen Olanzapin- und Kontrollgruppe 5
- 39,7% hatten präexistente Glukoseabnormalitäten und 34,2% Lipidabnormalitäten, aber keine Verschlechterung durch Olanzapin 5
Lebensqualität
Signifikante Verbesserung der Lebensqualität:
- Über alle Chemotherapiezyklen hinweg zeigten Patientinnen mit Olanzapin eine statistisch signifikante Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (p<0,001) 3
- Bessere FLIE-Fragebogen-Scores (Functional Living Index-Emesis) in der Olanzapin-Gruppe 3, 5
Risikofaktoren für schlechte CINV-Kontrolle
Alter als signifikanter Risikofaktor:
- Patientinnen unter 55 Jahren haben ein signifikant höheres Risiko für Übelkeit und Erbrechen bei AC-Chemotherapie 4
- Bei diesen jüngeren Patientinnen sollte besonders auf die Zugabe von Olanzapin zum Standard-3-Medikamenten-Regime geachtet werden 4
Klinischer Algorithmus für Mammakarzinom-Patientinnen
Tag 1 der Chemotherapie (AC oder andere hochemetogene Regime):
- NK1-Rezeptorantagonist (Aprepitant 125 mg oral oder Fosaprepitant 150 mg IV) 1
- 5-HT3-Rezeptorantagonist (z.B. Ondansetron 8 mg IV oder Granisetron 1 mg IV) 1, 6
- Dexamethason 20 mg IV (bei AC nur Tag 1) 1, 6
- Olanzapin 10 mg oral zur Schlafenszeit 1, 2
Tage 2-4:
- Olanzapin 10 mg oral täglich zur Schlafenszeit 1, 2
- Bei Cisplatin und anderen hochemetogenen Substanzen (nicht AC): Dexamethason fortsetzen 1
- Bei AC: kein Dexamethason an Tagen 2-4 1
Bei Durchbruch-Übelkeit trotz Prophylaxe:
- Wenn Olanzapin nicht prophylaktisch gegeben wurde: Olanzapin 5-10 mg täglich hinzufügen 1, 2
- Wenn Olanzapin bereits gegeben wurde: Medikament einer anderen Klasse erwägen (NK1-Antagonist, Benzodiazepin, Cannabinoid) 1
Wichtige Einschränkungen
Off-Label-Anwendung:
- Olanzapin wird "off-label" für CINV verwendet 2, 7
- Die Anwendung sollte sorgfältig unter Berücksichtigung von Komorbiditäten und potenziellen Arzneimittelinteraktionen erfolgen 2
Nicht empfohlen für Strahlentherapie-induzierte Übelkeit: