Ja, Olanzapin erhöht Prolaktin, aber nur vorübergehend und minimal
Bei Frauen mit Brustkrebs unter Chemotherapie, die Olanzapin 5–10 mg zur Antiemese erhalten, ist ein routinemäßiges Prolaktin-Monitoring nicht erforderlich, da Olanzapin nur transiente und klinisch unbedeutende Prolaktinanstiege verursacht.
Prolaktin-Effekt von Olanzapin: Charakteristika
Akute Phase (Woche 1–2)
- Olanzapin verursacht in den ersten 2 Wochen dosisabhängige, aber milde Prolaktinanstiege: Bei 10 mg/Tag zeigen 24% der Patienten erhöhte Werte, bei 15 mg/Tag 38% – deutlich weniger als unter Haloperidol (72%). 1
- Der mittlere Anstieg beträgt nur 0,35–0,61 nmol/L bei Olanzapin versus 1,23 nmol/L bei Haloperidol. 1
Langzeitverlauf (ab Woche 6)
- Rasche Adaptation: Ab Woche 6 unterscheiden sich die Prolaktinwerte unter Olanzapin (auch bei 15 mg/Tag) nicht mehr von Placebo und liegen signifikant niedriger als unter Haloperidol. 1
- Diese Normalisierung tritt trotz fortgesetzter Therapie ein, was Olanzapin als "atypisches" Antipsychotikum charakterisiert. 1
Klinische Relevanz bei Brustkrebs-Patientinnen
Brustkrebs-Risiko
- Eine dänische Fall-Kontroll-Studie mit 60.360 Brustkrebsfällen fand bei Langzeitanwendung (≥10.000 mg Olanzapin-Äquivalente) eine adjustierte Odds Ratio von 1,18 (95% KI 1,06–1,32). 2
- Wichtig: Dieser schwache Zusammenhang war unabhängig von der Prolaktin-induzierenden Wirkung – auch nicht-prolaktinerhöhende Antipsychotika zeigten ähnliche Assoziationen (OR 1,17), was gegen einen kausalen Prolaktin-Mechanismus spricht. 2
- Die Autoren schlussfolgern, dass keine klinisch bedeutsame Assoziation zwischen Antipsychotika und Brustkrebs besteht. 2
Mammäre Effekte (präklinisch)
- Tierexperimentelle Daten zeigen, dass Olanzapin bei kontinuierlicher Gabe über 100 Tage mammäre Hyperplasie induzieren kann, die durch Bromocriptin oder Aripiprazol verhindert werden kann. 3
- Diese Befunde sind bei kurzzeitiger antiemetischer Anwendung (typischerweise 3–5 Tage Chemotherapie-Zyklus) nicht relevant. 3
Monitoring-Empfehlungen
Baseline-Prolaktin: Nicht erforderlich
- Die Endocrine Society empfiehlt Prolaktin-Messung nur bei symptomatischer Hyperprolaktinämie: Amenorrhö, Galaktorrhö, Libidoverlust, Sehstörungen oder Kopfschmerzen. 4, 5
- Bei asymptomatischen Patienten ist Screening nicht indiziert. 4
Symptom-getriggertes Monitoring
Prolaktin sollte gemessen werden bei:
- Menstruationsstörungen (Amenorrhö, Oligomenorrhö) 5, 6
- Galaktorrhö (tritt bei 10–40% der Frauen mit echter Hyperprolaktinämie auf) 4
- Visuellen Symptomen oder Kopfschmerzen, die auf Raumforderung hindeuten 5, 6
Praktisches Vorgehen
- Einmalige Blutentnahme zu beliebiger Tageszeit ausreichend (Timing nicht kritisch). 5, 6
- Bei moderat erhöhten Werten (< 100 μg/L): Serielle Messungen erwägen, um stressbedingte Erhöhungen auszuschließen. 4, 6
- Makroprolaktin ausschließen bei milder oder inzidenteller Erhöhung (10–40% aller Hyperprolaktinämien sind Makroprolaktinämie – biologisch inaktiv). 4, 5
Wichtige Fallstricke
Differenzialdiagnosen beachten
Vor Zuordnung zur Medikation ausschließen: 4, 5
- Primäre Hypothyreose (43% der Frauen mit manifester Hypothyreose haben Hyperprolaktinämie)
- Niereninsuffizienz (30–65% der Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung)
- Stress (kann Prolaktin bis auf das 5-fache der Norm erhöhen)
"Hook-Effekt" bei großen Tumoren
- Bei großen Hypophysenläsionen mit paradox normalen/niedrigen Prolaktinwerten serielle Verdünnungen anfordern (tritt bei ~5% der Makroprolaktinome auf). 4, 6
Algorithmus für die Praxis
Bei Olanzapin 5–10 mg zur Antiemese:
- Kein Baseline-Prolaktin erforderlich
- Kein routinemäßiges Follow-up während kurzzeitiger Anwendung (3–5 Tage pro Zyklus)
- Prolaktin messen nur bei Symptomen: Galaktorrhö, Menstruationsstörungen, Sehstörungen
- Bei Erhöhung: Hypothyreose, Niereninsuffizienz, Makroprolaktin ausschließen
- Bei persistierender symptomatischer Hyperprolaktinämie: MRT Hypophyse erwägen 6
Die transienten, minimalen Prolaktinanstiege unter Olanzapin rechtfertigen bei antiemetischer Kurzzeitanwendung kein routinemäßiges Monitoring. 1