Welche Antipsychotika bei gleichzeitiger Chemotherapie
Olanzapin ist das Antipsychotikum der Wahl bei Patienten unter Chemotherapie, da es sowohl als wirksames Antiemetikum in den ASCO-Leitlinien empfohlen wird als auch bei psychiatrischen Indikationen sicher einsetzbar ist. 1, 2
Primäre Empfehlung: Olanzapin
Olanzapin wird von der American Society of Clinical Oncology als Erstlinientherapie für Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen empfohlen, insbesondere bei hochemetogener Chemotherapie in Kombination mit NK1-Antagonisten, 5-HT3-Antagonisten und Dexamethason 1
Bei Durchbruchübelkeit trotz optimaler Prophylaxe soll Olanzapin zusätzlich zum Standard-Antiemetika-Regime gegeben werden (mittlere Evidenzqualität, moderate Empfehlungsstärke) 1
Für psychiatrische Indikationen (Delir, Agitation, Psychose) empfiehlt die ASCO Olanzapin als Erstlinientherapie mit Startdosis 2,5-5 mg oral oder subkutan 2
Olanzapin hat keine myelosuppressiven Eigenschaften und verursacht keine Agranulozytose, im Gegensatz zu Clozapin 3
Alternative: Quetiapin
Quetiapin 25 mg oral alle 12 Stunden ist eine sichere Alternative zu Olanzapin, besonders bei Patienten mit erhöhtem Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen 2
Quetiapin hat ein deutlich geringeres Agranulozytose-Risiko als Clozapin (obwohl metabolische Aktivierung zu 7-Hydroxyquetiapin theoretisch Neutrophilentoxizität verursachen kann) 4
Die European Society for Medical Oncology empfiehlt Quetiapin als gleichwertige Erstlinienoption mit vorteilhafter Sedierung bei agitierten Patienten 2
Zweitlinientherapie: Haloperidol
Haloperidol 0,5-1 mg oral oder subkutan ist als Zweitlinientherapie geeignet, wenn Olanzapin oder Quetiapin nicht verfügbar oder kontraindiziert sind 2
Bei älteren oder fragilen Patienten Dosis auf 0,25-0,5 mg reduzieren 2
Kontraindiziert bei Parkinson-Krankheit oder Lewy-Körper-Demenz wegen hohem Risiko extrapyramidaler Nebenwirkungen 2
Absolut kontraindiziert: Clozapin
Clozapin darf NICHT bei Patienten unter myelosuppressiver Chemotherapie verwendet werden, außer in absoluten Ausnahmefällen mit engmaschigster hämatologischer Überwachung 5, 3
Clozapin verursacht in 0,8-1% der Fälle Agranulozytose, überwiegend im ersten Behandlungsjahr 3, 6
Die Kombination von Clozapin mit myelosuppressiver Chemotherapie führt zu additiver Neutropenie mit medianem Nadir von 0,29 × 10⁹/L 5
Wenn Clozapin bei psychiatrischen Notfällen absolut unverzichtbar ist, zeigt eine systematische Übersicht, dass Fortsetzung unter engmaschigster Überwachung möglich sein kann, aber dies erfordert multidisziplinäre Entscheidungsfindung zwischen Hämatologie, Onkologie und Psychiatrie 5
Wichtige Warnhinweise
Niemals zwei Medikamente kombinieren, die beide Neutropenie verursachen können (z.B. Clozapin + Chemotherapie, Phenothiazine + Chemotherapie) 3
Bei Fieber oder Infektionszeichen während Antipsychotika-Therapie sofort Blutbild kontrollieren 3
Benzodiazepine (wie Lorazepam) sind nur als Adjuvans zu Antiemetika geeignet, nicht als Monotherapie, und haben bei älteren Patienten erhöhtes Sturzrisiko 1, 7
Die Kombination von Olanzapin mit Benzodiazepinen in hohen Dosen kann bei älteren Patienten zu Todesfällen durch Übersedierung und Atemdepression führen 7
Praktischer Algorithmus
- Erste Wahl: Olanzapin 2,5-5 mg (bei Älteren/Fragilen 2,5 mg starten) 2
- Wenn Olanzapin nicht verfügbar/kontraindiziert: Quetiapin 25 mg alle 12 Stunden 2
- Wenn beide Atypika kontraindiziert: Haloperidol 0,5-1 mg (0,25-0,5 mg bei Älteren) 2
- Clozapin vermeiden, außer bei absoluter psychiatrischer Notwendigkeit mit multidisziplinärer Überwachung 5, 3