Häufigkeit der Nierenwertkontrolle bei chronischer Niereninsuffizienz
Die Überwachungshäufigkeit richtet sich nach dem CKD-Stadium und der Albuminurie: Patienten mit normaler bis leicht eingeschränkter Nierenfunktion (G1-G2) und normaler Albuminurie (A1) benötigen jährliche Kontrollen, während Patienten mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion (G4-G5) oder schwerer Albuminurie (A3) 3-4 Mal pro Jahr (alle 1-3 Monate) überwacht werden müssen. 1, 2
Überwachungsfrequenz nach CKD-Stadium und Albuminurie
Die aktuellsten Leitlinien der American Diabetes Association (2024) und KDIGO bieten ein klares, risikobasiertes Überwachungsschema: 1
Jährliche Kontrolle (1x pro Jahr):
- G1-G2 (eGFR ≥60 ml/min/1,73 m²) mit A1 (Albuminurie <30 mg/g) 1, 2
- Dies gilt für Patienten mit normaler bis leicht eingeschränkter Nierenfunktion ohne signifikante Proteinurie 1
Halbjährliche Kontrolle (2x pro Jahr):
- G3a (eGFR 45-59 ml/min/1,73 m²) mit A1 1, 2
- G1-G2 mit A2 (Albuminurie 30-299 mg/g) 1
- Diese Patienten haben ein moderat erhöhtes Progressionsrisiko 1
Vierteljährliche Kontrolle (3x pro Jahr):
Intensive Kontrolle (4x pro Jahr oder häufiger, alle 1-3 Monate):
- G4-G5 (eGFR <30 ml/min/1,73 m²) unabhängig von der Albuminurie 1, 2
- Jedes GFR-Stadium mit A3 1, 2
- Diese Patienten haben das höchste Risiko für Progression und Komplikationen 1, 3
Zu überwachende Parameter bei jeder Kontrolle
Bei jeder Kontrolluntersuchung sollten folgende Parameter erfasst werden:
- Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) - zur Beurteilung der Nierenfunktion 1, 2
- Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) - als Progressionsmarker 1, 2
- Blutdruck - Zielwert <130/80 mmHg bei Diabetes und CKD 1, 2
- Serumkalium - besonders wichtig bei ACE-Hemmern, ARBs oder Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten 1
Intensivierte Überwachung bei Medikamentenänderungen
Die Überwachungsfrequenz muss bei bestimmten therapeutischen Interventionen erhöht werden:
ACE-Hemmer/ARBs:
- 1-2 Wochen nach Therapiebeginn oder Dosisänderung 1
- Danach alle 3-4 Monate wenn stabil 1
- Kreatinin-Anstieg bis 30% ist akzeptabel und kein Grund zum Absetzen 1
Aldosteron-Antagonisten:
- Nach 1 Woche, dann nach 1,2,3,6,9 und 12 Monaten 1
- Danach alle 4 Monate wenn stabil 1
- Engmaschigere Kontrolle wegen Hyperkaliämierisiko erforderlich 1
Diuretika:
- 1-2 Wochen nach Beginn oder Dosisänderung 1
- Überwachung auf Verschlechterung der Nierenfunktion oder Dehydratation 1
Besondere Überlegungen bei Diabetes
Für Patienten mit Diabetes gelten spezifische Screening-Empfehlungen:
- Typ-2-Diabetes: Jährliches Screening ab Diagnosestellung 1
- Typ-1-Diabetes: Jährliches Screening nach ≥5 Jahren Krankheitsdauer 1
- Bei etablierter diabetischer Nierenerkrankung: 1-4 Mal pro Jahr je nach Stadium 1
Wichtige Warnzeichen für häufigere Kontrollen
Die Überwachungsfrequenz sollte erhöht werden bei: 2, 3
- GFR-Abfall um ≥25% mit Wechsel der GFR-Kategorie 1, 2
- Anstieg der Albuminurie 1, 2
- Klinischer Verschlechterung oder akuter Dekompensation 1
- Neu aufgetretener Hypertonie oder Hyperglykämie 1
Häufige Fehler vermeiden
- Nicht nur auf Kreatinin verlassen - immer eGFR berechnen, da Kreatinin allein irreführend sein kann 2
- Albuminurie nicht übersehen - sie ist ein starker Prädiktor für Progression und sollte regelmäßig bestimmt werden 1, 2
- Rechtzeitige Nephrologie-Überweisung - bei eGFR <30 ml/min/1,73 m² (G4) oder Albuminurie ≥300 mg/g sollte eine nephrologische Mitbetreuung erfolgen 1, 2, 3
- ACE-Hemmer/ARBs nicht bei mildem Kreatinin-Anstieg (<30%) absetzen - dies ist eine erwartete hämodynamische Anpassung 1