Ultraschall bei Verdacht auf arterielle Hypertonie: Empfehlungen zur initialen Abklärung
Ein Ultraschall ist bei Verdacht auf arterielle Hypertonie nicht routinemäßig erforderlich, sondern nur bei spezifischen klinischen Hinweisen auf sekundäre Ursachen oder Endorganschäden. 1
Routinemäßige Basisdiagnostik (für alle Patienten)
Die initiale Abklärung bei neu diagnostizierter Hypertonie umfasst keine routinemäßige Ultraschalluntersuchung. Stattdessen sind folgende Untersuchungen Standard: 1
- Laboruntersuchungen: Nüchternblutzucker (und HbA1c bei erhöhten Werten), Serumlipide, Natrium und Kalium, Kreatinin mit eGFR, Urinalysis mit Albumin-Kreatinin-Ratio, TSH 1
- 12-Kanal-EKG: Zum Nachweis von Linksherzhypertrophie, Arrhythmien und ischämischen Veränderungen 1
Indikationen für Ultraschalluntersuchungen
Echokardiographie
Eine Echokardiographie ist indiziert bei: 1
- Abnormalem EKG-Befund (z.B. Zeichen der Linksherzhypertrophie)
- Herzgeräuschen bei der Auskultation
- Kardialen Symptomen (Dyspnoe, Brustschmerzen, Leistungsminderung)
- Optional: Bei allen neu diagnostizierten Hypertonikern zur Detektion subklinischer linksventrikulärer Dysfunktion, falls lokale Ressourcen dies erlauben 1
Die Echokardiographie kann über 5 Jahre hinweg kardiovaskuläre Ereignisse vorhersagen und ist besonders wertvoll zur Risikostratifizierung. 1
Nierenultraschall (mit Doppler)
Ein Nierenultraschall sollte durchgeführt werden bei: 1, 2
- Moderater bis schwerer chronischer Nierenerkrankung (zur Beurteilung der Nierenstruktur und Ausschluss von Obstruktionen)
- Verdacht auf renovaskuläre Hypertonie: 2
- Plötzlicher Beginn oder Verschlechterung der Hypertonie
- Flash-Lungenödem
- Kreatininanstieg >50% innerhalb einer Woche nach ACE-Hemmer/ARB-Beginn
- Abdominelle Gefäßgeräusche bei der Untersuchung
- Verdacht auf Nierenparenchymerkrankungen: 2
- Anamnese mit Harnwegsinfektionen, Obstruktion, Hämaturie
- Palpable vergrößerte Nieren (z.B. polyzystische Nierenerkrankung)
- Erhöhtes Kreatinin oder reduzierte eGFR
Karotis- und Femoralultraschall
Diese Untersuchungen sind optional und dienen der Beurteilung von: 1
- Atherosklerotischen Plaques zur Risikostratifizierung
- Hypertensiver Endorganschäden (arterielle Steifigkeit)
Sie sind nicht Teil der Routinediagnostik, können aber bei dokumentierter vaskulärer Erkrankung erwogen werden. 3
Klinische Hinweise für gezielte Ultraschalldiagnostik
Folgende Befunde sollten zu gezielten Ultraschalluntersuchungen führen: 2
- Radio-femorale Pulsverzögerung: CT-Angiographie zum Ausschluss einer Aortenisthmusstenose
- Abdominelle systolisch-diastolische Gefäßgeräusche: Nierendoppler-Ultraschall bei Verdacht auf Nierenarterienstenose
- Spontane oder Diuretika-induzierte Hypokaliämie: Primärer Aldosteronismus (zunächst Aldosteron-Renin-Ratio, dann ggf. Nebennieren-CT)
- Halsumfang >40 cm: Polysomnographie bei Verdacht auf obstruktive Schlafapnoe
Häufige Fallstricke
- Überdiagnostik vermeiden: Teure Bildgebung sollte nicht vor Abschluss der Basislabordiagnostik erfolgen 2
- Medikamenten-induzierte Hypertonie ausschließen: NSAR, Dekongestiva, orale Kontrazeptiva können Hypertonie verursachen 2
- Weißkittelhypertonie: 20-30% der scheinbar resistenten Hypertoniker haben normale Werte bei ambulanter Messung 2
- Therapieadhärenz prüfen: Mangelnde Compliance ist eine häufige Ursache für unkontrollierte Werte 2
Zusammenfassung der Ultraschall-Indikationen
| Ultraschallart | Routinemäßig? | Indikation |
|---|---|---|
| Echokardiographie | Nein | Abnormes EKG, Herzgeräusche, kardiale Symptome [1] |
| Nierenultraschall | Nein | CKD, Verdacht auf renovaskuläre/parenchymale Erkrankung [1,2] |
| Karotis-/Femoralultraschall | Nein | Optional zur Risikostratifizierung [1] |
| Abdomineller Ultraschall | Nein | Verdacht auf Aortenaneurysma [1] |
Die Entscheidung für Ultraschalluntersuchungen sollte auf klinischen Hinweisen basieren, nicht auf Routineprotokollen. 1, 2, 4