iFOBT bei chronischer Diarrhoe
Bei Patienten mit chronischer Diarrhoe ohne Alarmsymptome sollte ein immunochemischer Stuhlbluttest (iFOBT/FIT) durchgeführt werden, da er einen hohen negativen prädiktiven Wert (0,99) aufweist und bei negativem Ergebnis unnötige Koloskopien vermeiden kann.
Evidenzbasierte Empfehlung
Die British Society of Gastroenterology (2018) empfiehlt den Einsatz von FIT bei symptomatischen Patienten mit unteren gastrointestinalen Symptomen, die auf ein kolorektales Karzinom hindeuten könnten 1. Der optimale Cut-off liegt zwischen 7 und 10 μg/g Stuhl 1.
Klinischer Nutzen des iFOBT
- FIT hat einen sehr hohen negativen prädiktiven Wert von 0,99 bei Patienten mit unteren GI-Symptomen, die auf ein kolorektales Karzinom hindeuten 1
- Ein negativer FIT-Test kann die Belastung durch unnötige koloskopische Untersuchungen reduzieren, wenn er mit angemessenen Qualitätssicherungsprozessen und guter klinischer Beurteilung eingesetzt wird 1
- FIT ist dem älteren guajakbasierten Test (gFOBT) überlegen und wird von europäischen Leitlinien für das Kolorektalkarzinom-Screening empfohlen 1
Diagnostischer Algorithmus
Schritt 1: Risikostratifizierung
- Bei Patienten unter 40 Jahren ohne typische Symptome einer funktionellen Darmerkrankung und/oder schweren Symptomen sollte eine weitere Abklärung erfolgen 1
- Bei Patienten über 45 Jahren ist aufgrund der Häufigkeit und klinischen Bedeutung von Kolonneoplasien eine vollständige Koloskopie erforderlich, unabhängig vom FIT-Ergebnis 1
Schritt 2: Kombination mit anderen Stuhlmarkern
- Fäkales Calprotectin sollte parallel bestimmt werden, um entzündliche Darmerkrankungen auszuschließen (Cut-off: 50 μg/g Stuhl) 1
- Die Kombination von FIT und Calprotectin ermöglicht eine bessere Differenzierung zwischen funktionellen und organischen Ursachen 1
Schritt 3: Interpretation und Konsequenzen
- Negativer FIT + normales Calprotectin bei Patienten <40 Jahre: Diagnose eines Reizdarmsyndroms kann in der Primärversorgung gestellt werden, ohne dass weitere Untersuchungen erforderlich sind 1
- Positiver FIT: Koloskopie mit Biopsien aus dem rechten und linken Kolon ist indiziert, auch wenn die Mukosa normal erscheint 1
Einschränkungen und wichtige Hinweise
Sensitivität für verschiedene Läsionen
Die Forschungsevidenz zeigt wichtige Einschränkungen:
- Die Sensitivität von FOBT für Eisenmangelanämie beträgt nur 58%, wobei 42% der Patienten mit identifizierbaren Ursachen falsch-negative Ergebnisse aufweisen 2
- Die Sensitivität ist höher für kolorektale Karzinome (83%) als für Nicht-Karzinom-Läsionen (54%) 2
- FIT ist spezifisch für Läsionen im unteren Gastrointestinaltrakt und erkennt Läsionen im oberen GI-Trakt nicht zuverlässig 3
Häufige Fallstricke
- Nicht bei Patienten mit Alarmsymptomen verlassen: Nächtliche Diarrhoe, ungewollter Gewichtsverlust, sichtbares Blut im Stuhl oder Fieber erfordern eine direkte Koloskopie, unabhängig vom FIT-Ergebnis 1, 4
- Nicht als Ersatz für Koloskopie bei älteren Patienten: Bei Patienten ≥45 Jahren ist eine vollständige Koloskopie aufgrund des Neoplasierisikos obligatorisch 1
- Mikroskopische Kolitis wird nicht erkannt: FIT kann mikroskopische Kolitis nicht ausschließen, da diese Erkrankung eine histologische Diagnose erfordert und die Mukosa endoskopisch normal erscheint 1, 5
- Falsch-positive Ergebnisse: Antikoagulanzien, niedrige Hämoglobinwerte und NSAR können zu falsch-positiven Ergebnissen führen 1, 3
Praktische Umsetzung
Der iFOBT sollte als Teil einer gestuften Diagnostik eingesetzt werden, nicht als alleiniger Test. Die Kombination mit Calprotectin, Basisblutuntersuchungen (Blutbild, CRP, Elektrolyte, Leberwerte, Eisen, Vitamin B12, Folat, Schilddrüsenfunktion) und Zöliakie-Serologie (Anti-Gewebetransglutaminase-IgA mit Gesamt-IgA) ermöglicht eine umfassende Erstabklärung in der Primärversorgung 1, 4, 5.