Was ist Lipoprotein(a)?
Lipoprotein(a) [Lp(a)] ist ein LDL-ähnliches Cholesterinpartikel, das kovalent an das Glykoprotein Apolipoprotein(a) gebunden ist und einen genetisch determinierten, kausalen Risikofaktor für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen und Aortenklappenstenose darstellt. 1, 2
Struktur und Zusammensetzung
Lp(a) besteht aus einem LDL-ähnlichen Kernlipoprotein mit Apolipoprotein B-100 und dem charakteristischen Glykoprotein Apolipoprotein(a), die durch eine Disulfidbrücke kovalent verbunden sind. 1
Der Lipidkern von Lp(a) ist praktisch nicht von dem des LDL zu unterscheiden, aber das Apolipoprotein(a) verleiht dem Partikel seine einzigartigen Eigenschaften. 1
Apolipoprotein(a) hat eine einzigartige Struktur mit repetitiven Proteinsegmenten, sogenannten Kringles, die hochgradig homolog zu Kringle-IV des Plasminogens sind. 1
Es existieren beim Menschen 30 oder mehr genetisch determinierte Apo(a)-Isoformen, was zu einer erheblichen Größenheterogenität führt. 1
Genetische Determination und Prävalenz
70-90% der Lp(a)-Konzentration werden durch Genetik bestimmt, hauptsächlich durch das LPA-Gen, das Apolipoprotein(a) kodiert, und nicht durch Lebensstilfaktoren. 3, 2
Die Lp(a)-Spiegel zeigen eine mehrere hundertfache interindividuelle Variabilität, die von weniger als 0,1 mg/dL bis zu mehr als 300 mg/dL reicht. 4
Etwa 20-30% der Weltbevölkerung haben Lp(a)-Spiegel im atherothrombotischen Bereich (>30-50 mg/dL), was mehr als eine Milliarde Menschen weltweit betrifft. 2, 5
Pathophysiologische Mechanismen
Lp(a) wirkt durch mehrere Mechanismen kardiovaskulär schädlich: Es fördert Atherosklerose ähnlich wie LDL, verursacht Entzündungen durch oxidierte Phospholipide und hat antifibrinolytische/prothrombotische Effekte. 3
Lp(a) ist der bevorzugte Lipoprotein-Träger für oxidierte Phospholipide (OxPL), was die Gefäßentzündung, atherosklerotische Läsionen, Endothelfunktion und Thrombogenität negativ beeinflusst. 6
Lp(a)-Partikel sind etwa 7-fach atherogener als LDL-Partikel auf Partikelbasis. 3
Kardiovaskuläres Risiko
Das Risiko für koronare Herzkrankheit ist bei Kaukasiern mit erhöhtem Lp(a) mehr als zweimal höher, und eine kausale Beziehung zwischen Lp(a)-Konzentrationen und koronarer Herzkrankheit oder Myokardinfarkt wurde durch Mendelsche Randomisierung postuliert. 1, 4
Erhöhte Lp(a)-Spiegel sind mit einem erhöhten Risiko für Myokardinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Herzinsuffizienz und Aortenklappenstenose verbunden. 2, 4
Personen mit sowohl erhöhtem Lp(a) (>30 mg/dL) als auch erhöhtem LDL-Cholesterin haben ein 10-fach oder höheres Risiko für Myokardinfarkt im Vergleich zu Personen mit normalen Werten beider Parameter. 3
Risikoschwellenwerte
Traditionelle Schwellenwerte für erhöhtes Lp(a) liegen bei >30 mg/dL oder >75 nmol/L, was etwa dem 75. Perzentil in weißen Populationen entspricht. 3
Die europäischen Leitlinien definieren ein signifikantes Risiko bei Lp(a) >50 mg/dL, was etwa 100-125 nmol/L entspricht. 3, 2
Das Risiko steigt progressiv mit höheren Lp(a)-Spiegeln, mit besonders hohem Risiko bei >100 mg/dL. 3
Messung und Standardisierung
Es besteht eine große Variation zwischen verschiedenen Lp(a)-Messmethoden aufgrund des Fehlens eines gemeinsamen Referenzmaterials, was Vergleiche zwischen Laboren erschwert. 3
Ein Umrechnungsfaktor von 3,17 kann verwendet werden (1 mg/dL = 3,17 nmol/L) bei der Umrechnung zwischen Massen- und molaren Konzentrationen. 3
Molare Konzentrationen werden für die Lp(a)-Expression empfohlen, aber die Methodik erfüllt nicht vollständig die Anforderungen für eine genaue molare Expression. 3
Klinische Bedeutung
Lp(a) wurde 1963 von Berg entdeckt und zunächst als genetische Variante von β-Lipoproteinen (LDL) betrachtet, später jedoch als eigenständige Lipoproteinklasse erkannt. 1
Trotz intensiver Forschung bleibt die physiologische Funktion von Lp(a) unklar. 1
Lp(a)-Spiegel bleiben im Laufe des Lebens stabil, da sie genetisch determiniert sind, außer unter bestimmten Umständen wie chronischer Nierenerkrankung. 3