What diagnostic work‑up is indicated for leukopenia?

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Diagnostische Abklärung bei Leukopenie

Bei Leukopenie sollte zunächst ein großes Blutbild mit manuellem Differentialblutbild und Ausstrichbeurteilung durchgeführt werden, gefolgt von gezielten Laboruntersuchungen basierend auf der klinischen Konstellation – eine Knochenmarkuntersuchung ist bei persistierender oder sich verschlechternder Leukopenie über 2-4 Wochen, bei Dysplasiezeichen im Ausstrich oder bei Bi-/Panzytopenie indiziert. 1, 2

Initiale Basisdiagnostik

Obligate Erstuntersuchungen

  • Großes Blutbild mit manuellem Differentialblutbild zur Bestimmung der absoluten Neutrophilenzahl und Beurteilung aller Zellreihen 1, 2
  • Peripherer Blutausstrich zur Beurteilung der Zellmorphologie, Identifikation von Dysplasiezeichen, Blasten und zur Bestätigung der Leukopenie 1, 2, 3
  • Retikulozytenzahl zur Beurteilung der Knochenmarkaktivität 1

Erweiterte Routinelaboruntersuchungen

  • Vitamin B12 und Folsäure zum Ausschluss einer megaloblastären Störung 1, 4
  • Serumeisen, Ferritin und Transferrinsättigung zur Identifikation einer Eisenmangelanämie, die häufig mit Leukopenie einhergeht 1, 4
  • LDH, Bilirubin und Harnsäure als allgemeine Marker für Zellumsatz und mögliche Hämolyse 1
  • Direkter Antiglobulintest (DAT) zum Ausschluss einer autoimmunen Hämolyse 1
  • Umfassendes Stoffwechselpanel (einschließlich Kalium, Kalzium, Phosphat) zur Überwachung eines möglichen Tumorlysesyndroms 2
  • Leberfunktionsparameter zur Beurteilung einer hepatischen Beteiligung 2

Gezielte Zusatzdiagnostik bei isolierter Leukopenie

Autoimmundiagnostik

  • Antinukleäre Antikörper (ANA) und antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA) bei nicht-neutropenischer Leukopenie 2, 5, 4
  • Quantitative Serum-Immunglobuline einschließlich IgE 2, 5
  • BSG und CRP zur Entzündungsbeurteilung 2, 5
  • Schilddrüsenfunktion, da autoimmune Schilddrüsenerkrankungen häufig mit Leukopenie assoziiert sind 4

Die Autoimmundiagnostik ist besonders wichtig, da Autoimmunität in bis zu 53,8% der Fälle mit isolierter Leukopenie nachgewiesen werden kann 4.

Infektionsserologie

  • Hepatitis B, Hepatitis C, CMV und HIV-Serologie vor Einleitung einer immunsuppressiven Therapie 1
  • Serologie für Strongyloides und andere parasitäre Infektionen bei entsprechendem klinischem Verdacht 2

Medikamentenanamnese

Eine detaillierte Medikamentenanamnese ist essentiell, da Medikamente die häufigste Ursache erworbener Neutropenien darstellen 5, 6.

Indikationen zur Knochenmarkuntersuchung

Absolute Indikationen

  • Persistierende oder sich verschlechternde Leukopenie bei wiederholten Blutbildkontrollen über 2-4 Wochen 1, 2, 5
  • Dysplastische Veränderungen im peripheren Blutausstrich 7, 2, 5
  • Panzytopenie oder Bizytopenie, da dies meist auf eine unzureichende Knochenmarkproduktion hinweist 2, 5, 3
  • Zirkulierende Blasten oder andere Auffälligkeiten im Ausstrich 2, 5
  • Klinischer Verdacht auf hämatologische Malignität oder Knochenmarkversagen 2

Erforderliche Knochenmarkuntersuchungen

Wenn eine Knochenmarkuntersuchung indiziert ist, sollte diese umfassen:

  • Knochenmarkaspirat mit Eisenfärbung zur detaillierten morphologischen Beurteilung 7, 1
  • Knochenmarkbiopsie zur Beurteilung der Gesamtzellularität und Markarchitektur 7, 1
  • Multicolor-Durchflusszytometrie (8-10 Farben) zur Immunphänotypisierung und zum Ausschluss von paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie und Large-Granular-Lymphozyten-Erkrankungen 7, 1, 5
  • Konventionelle Zytogenetik (Karyotypisierung) zum Nachweis klonaler Anomalien wie del 17p, del 11q oder Monosomie 7 7, 1, 5
  • FISH-Analyse bei Verdacht auf spezifische chromosomale Aberrationen 7, 1
  • Molekulargenetische Untersuchungen (PCR, RT-PCR oder Next-Generation-Sequencing) je nach Subtyp 7, 1, 5

Verlaufskontrollen und Monitoring

Bei stabiler milder Leukopenie ohne Neutropenie

  • Blutbildkontrollen alle 3-4 Monate initial, bei stabilen Werten Verlängerung auf 6-12 Monate 1

Bei neuer oder sich verschlechternder Zytopenie

  • Intensiveres Monitoring alle 2-4 Wochen 1

Bei Hochrisikopatienten für Progression zu MDS/AML

  • Blutbildkontrollen alle 3-4 Monate auch bei stabilen Werten 1
  • Jährliche Knochenmarkuntersuchung mit zytogenetischer Analyse 1

Wichtige klinische Fallstricke

Notfallsituation: Agranulozytose mit Fieber

Bei Agranulozytose (ANC <500/µL) mit Fieber ist eine sofortige stationäre Aufnahme und Breitspektrum-Antibiotikatherapie obligat, um die Mortalität zu reduzieren 3, 8.

Seltene, aber behandelbare Ursachen

  • Kupfermangel sollte bei ungeklärter Leukopenie in Betracht gezogen werden, da dieser reversibel ist 1
  • Familiäres Mittelmeerfieber (FMF) kann episodische Leukopenie verursachen und sollte besonders bei episodischem Verlauf untersucht werden, um unnötige invasive Prozeduren zu vermeiden 9

Kontextspezifische Überlegungen

  • Serum-Erythropoetin sollte vor Transfusion bei Verdacht auf myelodysplastisches Syndrom gemessen werden 1
  • JAK2-Mutationsanalyse bei Thrombozytose, wenn MDS in der Differentialdiagnose steht 1
  • HLA-DR15-Typisierung zur Vorhersage des Ansprechens auf immunsuppressive Therapie bei Verdacht auf MDS 1
  • Zusätzliche genetische Testung (z.B. für Fanconi-Anämie oder Dyskeratosis congenita) bei positiver Familienanamnese für Zytopenien 1

References

Guideline

Evaluation and Management of Leukopenia

Praxis Medical Insights: Practical Summaries of Clinical Guidelines, 2026

Guideline

Laboratory Workup for Leukopenia

Praxis Medical Insights: Practical Summaries of Clinical Guidelines, 2025

Research

[Leukopenia - A Diagnostic Guideline for the Clinical Routine].

Deutsche medizinische Wochenschrift (1946), 2017

Guideline

Workup for Mild Leukopenia Persisting One Year

Praxis Medical Insights: Practical Summaries of Clinical Guidelines, 2026

Research

The etiology and management of leukopenia.

Canadian family physician Medecin de famille canadien, 1984

Guideline

Guideline Directed Topic Overview

Dr.Oracle Medical Advisory Board & Editors, 2025

Research

Hematologic Conditions: Leukopenia.

FP essentials, 2019

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