Schmetterlingsförmige Rötung bei Lupuspatientin: Lupus-Flare als wahrscheinlichste Ursache
Eine innerhalb von 4 Stunden auftretende schmetterlingsförmige Rötung (Malar-Rash) bei einer Patientin mit bekanntem systemischem Lupus erythematodes ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Ausdruck eines Lupus-Flares und nicht der hypermobilen Ehlers-Danlos-Erkrankung. 1, 2
Begründung der Zuordnung zu Lupus
Charakteristische Lupus-Manifestation
- Der Malar-Rash (Schmetterlingserythem) ist eine lupus-spezifische Hautläsion und gehört zur akuten kutanen Lupus-Form (ACLE), die in 80% der SLE-Patienten auftritt 2, 3, 4
- Diese Hautmanifestation ist pathognomonisch für Lupus und zeigt histopathologisch distinkte Merkmale, die für kutanen Lupus charakteristisch sind 5
- Das rasche Auftreten innerhalb von 4 Stunden passt zum typischen Verlauf eines akuten Lupus-Flares mit konstitutionellen und mukokutanen Symptomen 1
hEDS verursacht keinen Malar-Rash
- Hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom manifestiert sich primär durch Gelenküberbeweglichkeit, Gewebefragilität, weiche hyperextensible Haut und abnorme Wundheilung 6
- Die Hautmanifestationen bei hEDS umfassen keine entzündlichen Erytheme oder schmetterlingsförmige Rötungen 7
- hEDS-Patienten können zwar Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) entwickeln, das Hautsymptome verursacht, aber diese präsentieren sich als multisystemische Reaktionen auf Trigger (Nahrung, Hitze, mechanische Stimuli) und nicht als isoliertes Malar-Erythem 7
Diagnostisches Vorgehen
Sofortige Beurteilung erforderlich
- Fieber messen: Fieber mit CRP >50 mg/L erfordert Infektionsausschluss vor Immunsuppression 1
- Systemische Beteiligung evaluieren: Prüfen auf Arthritis, Serositis, neurologische Symptome, Nierenbeteiligung 1, 2
- Labordiagnostik: Anti-dsDNA, C3, C4, Blutbild, Kreatinin, Urinstatus mit Protein/Kreatinin-Ratio 7, 1
Schweregrad-Stratifizierung
- Mild-moderat: Isolierter Malar-Rash ohne Organbeteiligung 1
- Schwer/organbedrohend: Zusätzlich Lupusnephritis, neuropsychiatrische Symptome, schwere Zytopenien, Vaskulitis 1
Therapeutische Konsequenzen
Sofortmaßnahmen bei bestätigtem Flare
- Hydroxychloroquin fortsetzen/optimieren: ≤5 mg/kg Körpergewicht (falls nicht bereits gegeben) 8
- Glukokortikoid-Therapie nach Schweregrad:
- Immunsuppressiva frühzeitig einleiten zur Steroid-Einsparung (Methotrexat bei Haut-/Gelenkbeteiligung, Mycophenolat bei Nierenbeteiligung) 8
Kritische Fallstricke vermeiden
- Nicht bei Fieber und neuen pulmonalen Infiltraten Immunsuppression eskalieren ohne Infektionsausschluss – dies ist ein potenziell fataler Fehler 1
- Nicht Glukokortikoide langfristig >7,5 mg/Tag Prednisolon-Äquivalent belassen – Hauptursache für Organschäden 8
- Nicht Hydroxychloroquin absetzen – es ist für alle SLE-Patienten obligat 8
Zusammenhang beider Erkrankungen
- Die Koexistenz von SLE und hEDS ist möglich, da beide Bindegewebserkrankungen sind, aber sie haben unterschiedliche Pathomechanismen 6
- Bei dieser Patientin erklärt die Lupus-Diagnose vollständig das akute Schmetterlingserythem 3, 4
- hEDS trägt möglicherweise zu gastrointestinalen Symptomen, Dysautonomie (POTS) oder MCAS bei, aber nicht zum Malar-Rash 7