Flush-Episoden bei Lupus: Bewertung und Differentialdiagnose
Tägliche Flush-Episoden mit einer Dauer unter 4 Stunden sind NICHT typisch für systemischen Lupus erythematodes und sollten primär als andere Ursache betrachtet werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Warum Flush-Episoden wahrscheinlich nicht lupusbedingt sind
Die vorliegenden EULAR-Leitlinien beschreiben die charakteristischen Hautmanifestationen bei SLE als spezifische lupuserythematöse Läsionen (akute, subakute oder chronische kutane LE) und nicht-spezifische Manifestationen 1. Kurzdauernde, rezidivierende Flush-Episoden werden in keiner der aktuellen Lupus-Leitlinien als typische Manifestation aufgeführt 1.
Die klassischen Hautmanifestationen bei Lupus umfassen 1, 2:
- Diskoide Läsionen (chronisch, persistierend)
- Subakute kutane LE (anulär oder papulosquamös, photosensitiv)
- Akute kutane LE (Schmetterlingserythem, makulopapulös)
- Diese Läsionen sind typischerweise persistent oder über Tage bis Wochen vorhanden, nicht episodisch über Stunden 2
Differentialdiagnosen, die Sie ausschließen müssen
Bei täglichen Flush-Episoden unter 4 Stunden sollten Sie systematisch folgende Ursachen evaluieren:
Medikamenteninduzierte Ursachen
- Hydroxychloroquin selbst kann selten kutane Nebenwirkungen verursachen, obwohl Flushing nicht typisch ist 1, 3
- Prednison kann Gesichtsrötung und Hitzegefühl verursachen, besonders bei Dosisänderungen 1
- Andere Begleitmedikationen (Kalziumkanalblocker, Nitrate, NSAIDs) 1
Endokrine und metabolische Ursachen
- Karzinoid-Syndrom (Flush-Episoden typischerweise Minuten bis Stunden, oft mit Diarrhö)
- Phäochromozytom (paroxysmale Hypertension, Palpitationen, Schwitzen)
- Menopause/hormonelle Veränderungen (besonders bei Frauen mit SLE)
- Schilddrüsendysfunktion (sollte bei SLE-Patienten regelmäßig überprüft werden) 1
Mastozytose und Mastzellaktivierungssyndrom
- Episodische Flush-Attacken sind charakteristisch
- Kann mit Pruritus, Urtikaria, gastrointestinalen Symptomen einhergehen
Rosazea
- Kann bei SLE-Patienten koexistieren
- Charakterisiert durch episodische Gesichtsrötung mit Triggern (Hitze, Alkohol, scharfes Essen)
Diagnostischer Algorithmus
Schritt 1: Lupusaktivität beurteilen
- Überprüfen Sie auf neue oder verschlechterte lupusspezifische Hautläsionen (nicht nur Flush) 1, 3
- Messen Sie Krankheitsaktivität mit SLEDAI oder CLASI bei Hautbeteiligung 1, 4
- Laborparameter: Anti-dsDNA, Komplement (C3, C4), Blutbild, Kreatinin, Urinanalyse 1
Schritt 2: Wenn keine Lupusaktivität vorliegt
- Medikamentenanamnese: Zeitlicher Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme oder Dosisänderungen 1
- Trigger-Identifikation: Nahrungsmittel, Alkohol, Stress, Temperaturwechsel
- Begleitsymptome: Diarrhö, Palpitationen, Hypertension, Schwitzen, Pruritus
Schritt 3: Gezielte Diagnostik
- 24-Stunden-Urin auf 5-HIAA (Karzinoid)
- Plasma-Metanephrine (Phäochromozytom)
- Serum-Tryptase (Mastozytose)
- TSH, fT4 (Schilddrüse) 1
Therapeutische Überlegungen während der Abklärung
Optimieren Sie die Lupustherapie unabhängig von den Flush-Episoden 1, 3:
- Hydroxychloroquin sollte fortgesetzt werden (≤5 mg/kg Körpergewicht) 1, 5
- Prednison sollte auf ≤7,5 mg/Tag reduziert werden, wenn möglich 1, 5
- Photoprotection strikt einhalten 1, 3
Vermeiden Sie eine empirische Eskalation der Immunsuppression allein aufgrund der Flush-Episoden ohne Nachweis erhöhter Lupusaktivität 1, 3.
Wichtige Fallstricke
- Nicht jedes Symptom bei einem Lupuspatienten ist lupusbedingt – eine systematische Differentialdiagnose ist essentiell 1
- Übersehen Sie keine Infektionen: Bei immunsupprimierten Patienten können atypische Präsentationen auftreten 3, 6
- Dokumentieren Sie die Episoden genau: Dauer, Trigger, Begleitsymptome, Medikamenteneinnahme – dies hilft bei der Differenzierung 1