Management bei persistierendem subfebrilen Fieber unter Quensyl und Belimumab nach Infektionsausschluss
Bei einem SLE-Patienten mit persistierendem subfebrilen Fieber unter optimierter Hydroxychloroquin-Therapie (Quensyl) und Belimumab nach Ausschluss einer Infektion sollte die Lupusaktivität als Ursache betrachtet und die Immunsuppression intensiviert werden, wobei Hydroxychloroquin und Belimumab fortgeführt werden müssen. 1, 2, 3
Diagnostische Überlegungen
Krankheitsaktivität vs. Infektion differenzieren:
- Subfebrile Temperaturen bei SLE können sowohl durch Krankheitsaktivität als auch durch okkulte Infektionen verursacht werden 1
- Nach gründlichem Infektionsausschluss (Blutkulturen, Bildgebung, spezifische Erregerdiagnostik) ist persistierendes Fieber ein Zeichen unzureichend kontrollierter Lupusaktivität 1
- Erhöhte Krankheitsaktivität, Komplementverbrauch (niedriges C3/C4) und erhöhte Anti-dsDNA-Antikörper unterstützen die Diagnose eines aktiven Lupus 4
Therapeutisches Vorgehen
Hydroxychloroquin (Quensyl) beibehalten
- Hydroxychloroquin muss unbedingt fortgeführt werden – es ist die Basistherapie bei SLE und sollte bei allen Patienten ohne absolute Kontraindikationen lebenslang gegeben werden 1, 2
- Das Absetzen von Hydroxychloroquin erhöht das Risiko für Krankheitsschübe um das 2,5-fache (HR 2,50,95% CI: 1,08–5,58) 2, 3
- Die Dosis sollte 5 mg/kg Körpergewicht/Tag nicht überschreiten 1, 2
- Blutspiegel >0,6 mg/l sind mit geringerem Risiko für Lupusschübe assoziiert 2
Belimumab fortführen
- Belimumab sollte bei unzureichendem Ansprechen auf Standardtherapie (Hydroxychloroquin + Glukokortikoide ± Immunsuppressiva) fortgeführt werden 1
- Belimumab ist bei aktiver SLE-Erkrankung mit residueller Krankheitsaktivität indiziert, die eine Glukokortikoid-Reduktion verhindert oder häufige Rezidive verursacht 1
- Die Evidenz für Belimumab ist hochwertig (1a/A) 1
Immunsuppression intensivieren
Bei persistierendem Fieber trotz Hydroxychloroquin und Belimumab sollte ein zusätzliches Immunsuppressivum hinzugefügt werden:
- Methotrexat (1b/b), Azathioprin (2b/C) oder Mycophenolat (2a/b) sollten als nächster Schritt erwogen werden 1
- Die Wahl hängt von der Organmanifestation ab:
Glukokortikoid-Management
- Kurzfristig können Glukokortikoide zur Kontrolle der Krankheitsaktivität eingesetzt werden 1
- Methylprednisolon-Pulse (250-1000 mg/Tag für 1-3 Tage) ermöglichen eine sofortige therapeutische Wirkung 1
- Langfristig sollten Glukokortikoide auf <7,5 mg/Tag Prednisolon-Äquivalent minimiert und wenn möglich abgesetzt werden 1
- Die frühzeitige Einleitung immunmodulierender Substanzen beschleunigt die Glukokortikoid-Reduktion 1
Wichtige Fallstricke
Hydroxychloroquin niemals absetzen:
- Selbst bei akuten Infektionen sollte Hydroxychloroquin fortgeführt werden (mit Ausnahme von COVID-19, wo es optional ist) 3
- Das Absetzen führt zu Krankheitsschüben und erhöhter Mortalität 2, 3
Infektionsrisiko beachten:
- Hohes Infektionsrisiko bei SLE durch Krankheitsaktivität, Leukopenie, Nierenbefall und immunsuppressive Therapie 1
- Hochdosis-Glukokortikoide, Cyclophosphamid, Mycophenolat und Rituximab erhöhen das Infektionsrisiko 1
- Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sollten durchgeführt werden 1
Therapieadhärenz sicherstellen:
- Niedrige Hydroxychloroquin-Blutspiegel sind häufig auf mangelnde Adhärenz zurückzuführen 5
- Blutspiegel-Monitoring kann hilfreich sein, um Non-Adhärenz zu identifizieren 5
Algorithmus für die Entscheidungsfindung
- Infektion ausschließen (Blutkulturen, Bildgebung, spezifische Diagnostik)
- Krankheitsaktivität beurteilen (SLEDAI-Score, Komplement, Anti-dsDNA)
- Hydroxychloroquin und Belimumab fortführen
- Immunsuppressivum hinzufügen (Methotrexat/Azathioprin/Mycophenolat je nach Organmanifestation)
- Kurzfristige Glukokortikoid-Gabe bei Bedarf (Ziel: <7,5 mg/Tag langfristig)
- Bei refraktärer Erkrankung: Rituximab erwägen (2b/C) 1