Fortsetzung von Pertuzumab und Trastuzumab nach kompletter Remission bei HER2+ Brustkrebs
Bei kompletter pathologischer Remission (cPR) nach neoadjuvanter Chemotherapie mit Pertuzumab, Trastuzumab, Paclitaxel und Carboplatin bei HER2+/ER+/PR- Brustkrebs sollte die Anti-HER2-Therapie mit Trastuzumab für insgesamt ein Jahr fortgesetzt werden, während Pertuzumab bei initialer Lymphknotenpositivität (N1) ebenfalls für ein Jahr fortgeführt werden sollte.
Empfehlungen basierend auf aktuellen Leitlinien
Die NCCN-Leitlinien 2024 empfehlen klar:
- Bei fehlender Resterkrankung nach präoperativer Therapie: Vervollständigung der HER2-gerichteten Therapie mit Trastuzumab (Kategorie 1) ± Pertuzumab für insgesamt ein Jahr 1
- Bei initial positivem Lymphknotenstatus (wie in Ihrem Fall N1): Trastuzumab + Pertuzumab (Kategorie 1) 1
Algorithmus für die Entscheidungsfindung
Bewertung des initialen Risikoprofils:
- Ihr Fall: cT2, N1, Grad 3, HER2+, ER+, PR- (Hochrisikoprofil)
- Lymphknotenbefall (N1) ist ein entscheidender Faktor für die Fortsetzung der dualen HER2-Blockade
Bewertung des Ansprechens auf die neoadjuvante Therapie:
- Komplette pathologische Remission (cPR) erreicht
- Trotz cPR bleibt das Risiko eines Rezidivs bestehen, besonders bei initial nodalpositivem Status
Therapieempfehlung:
- Fortsetzung von Trastuzumab + Pertuzumab für insgesamt ein Jahr ab Beginn der neoadjuvanten Therapie
- Die Chemotherapie wird beendet, aber die HER2-gerichtete Therapie wird fortgesetzt
Wissenschaftliche Begründung
Die APHINITY-Studie hat gezeigt, dass die Hinzunahme von Pertuzumab zu Trastuzumab plus Chemotherapie das rezidivfreie Überleben bei nodalpositiven Patienten signifikant verbessert. Nach 8,4 Jahren Follow-up betrug das invasiv-krankheitsfreie Überleben 86% vs. 81% (Hazard Ratio 0,72) 1, 2.
Die Dauer der adjuvanten Trastuzumab-Therapie wurde in mehreren Studien untersucht:
- Die HERA-Studie zeigte keinen zusätzlichen Nutzen einer zweijährigen gegenüber einer einjährigen Therapie
- Kürzere Therapiedauern (6 Monate) haben sich als nicht gleichwertig erwiesen 3
Besondere Überlegungen
Kardiale Überwachung:
- Regelmäßige Kontrolle der Herzfunktion während der Behandlung mit Trastuzumab und Pertuzumab (alle 3-4 Monate) 1
- Bei Auftreten einer kardialen Dysfunktion kann eine Therapiepause oder -beendigung erwogen werden
Endokrine Therapie:
- Da der Tumor ER+ ist, sollte parallel eine endokrine Therapie erfolgen
- Die endokrine Therapie kann mit der HER2-gerichteten Therapie kombiniert werden 1
Häufige Fallstricke
Vorzeitiger Therapieabbruch: Ein vorzeitiger Abbruch der HER2-gerichteten Therapie trotz kompletter Remission kann das Rezidivrisiko erhöhen 3
Kardiotoxizität nicht überwachen: Die Herzfunktion muss regelmäßig überwacht werden, um eine potenzielle Kardiotoxizität frühzeitig zu erkennen 1
Unterschätzung des Rezidivrisikos: Auch bei kompletter pathologischer Remission besteht ein Rezidivrisiko, besonders bei initial nodalpositiven Patienten
Zusammenfassung
Bei HER2+/ER+/PR- Brustkrebs mit kompletter pathologischer Remission nach neoadjuvanter Therapie und initialem Lymphknotenbefall (N1) sollte die Therapie mit Trastuzumab und Pertuzumab für insgesamt ein Jahr (ab Beginn der neoadjuvanten Therapie) fortgesetzt werden, um das Rezidivrisiko zu minimieren und das Gesamtüberleben zu verbessern.