Strahlensensitivität bei Spindelzellsarkomen
Spindelzellsarkome sind hochgradig strahlensensitiv und sollten standardmäßig mit einer Strahlentherapie nach chirurgischer Resektion behandelt werden, insbesondere bei hochgradigen, tiefen Tumoren >5 cm. 1
Strahlensensitivität und Behandlungsempfehlungen
Grundlegende Strahlensensitivität
- Spindelzellsarkome zeigen eine gute Ansprechrate auf Strahlentherapie, ähnlich wie andere Weichteilsarkome
- Klonale Tumorzellen in Sarkomen sind generell hochgradig strahlensensitiv 1
- Die lokale Kontrollrate nach Strahlentherapie liegt bei 85-90% 2
Standardbehandlung
- Die primäre Behandlung ist eine weite chirurgische Resektion (R0-Resektion) 1
- Postoperative Strahlentherapie ist Standard bei:
- Hochgradigen (G2-3) Tumoren
- Tiefliegenden Tumoren
- Tumoren >5 cm Größe 3
Dosierung und Technik
- Postoperative Bestrahlung: 50-60 Gy in Fraktionen von 1,8-2 Gy
- Mögliche Boost-Bestrahlung bis 66 Gy abhängig von der Präsentation und Qualität der Operation 1
- Präoperative Bestrahlung: typischerweise 50 Gy 1
- Einsatz moderner Bestrahlungstechniken wie IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie) verbessert die lokale Kontrolle bei gleichzeitig reduzierter Toxizität 4
Spezielle Situationen
Bei R1/R2-Resektion
- Bei R1-Resektion (mikroskopisch positive Ränder): Re-Operation erwägen, wenn adäquate Ränder ohne größere Morbidität erreicht werden können
- Bei R2-Resektion (makroskopisch positive Ränder): Re-Operation obligatorisch
- Wenn keine Re-Operation möglich ist: Strahlentherapie auch außerhalb der üblichen Indikationen 1
Präoperative vs. postoperative Bestrahlung
- Präoperative Bestrahlung kann bei Borderline-resektablen Tumoren erwogen werden, um die Operation zu erleichtern 3
- Präoperative Bestrahlung kann die lokale Kontrolle verbessern und die Tumorgröße reduzieren 1
- Die Entscheidung sollte in einem multidisziplinären Team getroffen werden
Bei Knochenspindelzellsarkomen
- Behandlungsstrategie ähnelt der bei Osteosarkomen: Chemotherapie und komplette En-bloc-Resektion einschließlich aller Weichteilkomponenten 1
- Bei inoperablen Läsionen kann eine Strahlentherapie erwogen werden 1
Besondere Überlegungen
Tumorgröße und Lokalrezidivrisiko
- Tumoren <5 cm zeigen eine bessere lokale Kontrolle (100%) als Tumoren >5 cm (38%) nach Strahlentherapie 1
- Bei größeren Tumoren kann eine höhere Strahlendosis oder eine kombinierte Behandlung erforderlich sein 1
Vorsichtsmaßnahmen
- Pathologische Frakturen sind häufig und sollten vor der Fixierung untersucht werden 1
- Eine interne Fixierung ist kontraindiziert, da sie den Tumor weiter in Knochen und Weichgewebe verbreitet 1
- Bei Spindelzellsarkomen des Kopf-Hals-Bereichs kann eine kombinierte Behandlung aus Operation und Strahlentherapie zu guten Überlebensraten führen 5
Nachsorge
- Regelmäßige Nachsorge ist wichtig, da Spindelzellsarkome zur lokalen Rezidivierung und Fernmetastasierung (besonders in die Lunge) neigen 6
- Hochgradig behandelte Patienten sollten in den ersten 2-3 Jahren alle 3-4 Monate, dann zweimal jährlich bis zum fünften Jahr und danach einmal jährlich nachuntersucht werden 1
Die Strahlentherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der multimodalen Behandlung von Spindelzellsarkomen und trägt erheblich zur lokalen Kontrolle bei, ohne die funktionellen und kosmetischen Ergebnisse zu beeinträchtigen, die mit einer ablativen Operation verbunden wären.