Acetazolamid bei dekompensierter Herzinsuffizienz und GFR < 14 mit Torasemid und Xipamid
Bei schwerer Niereninsuffizienz (GFR < 14) wird Acetazolamid als Zusatztherapie zu Torasemid und Xipamid bei dekompensierter Herzinsuffizienz nicht empfohlen, da es das Risiko einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion erhöht ohne nachgewiesenen Nutzen für Mortalität oder Rehospitalisierung. 1
Wirksamkeit von Acetazolamid bei Herzinsuffizienz
- Acetazolamid kann bei dekompensierter Herzinsuffizienz zu einer effektiveren Entwässerung führen, verbessert jedoch nicht die langfristigen Outcomes wie Mortalität oder Rehospitalisierung 1
- Die ADVOR-Studie zeigte, dass Acetazolamid als Zusatztherapie zu einer subjektiv besseren Dekongestion führte, jedoch verdoppelte sich die Inzidenz einer vorübergehenden Verschlechterung der Nierenfunktion während des Krankenhausaufenthalts 1
- Acetazolamid wirkt hauptsächlich durch erhöhte Natriurese und verbesserte Diurese, was bei Patienten mit Volumenüberlastung vorteilhaft sein kann 2, 3
Einschränkungen bei schwerer Niereninsuffizienz
- Bei Patienten mit signifikanter Nierenfunktionsstörung (GFR < 30 ml/min) kann die Wirksamkeit von Diuretika beeinträchtigt sein oder die Nierenfunktion weiter verschlechtern 4
- Schleifendiuretika sind bei schwerer Niereninsuffizienz die bevorzugten Diuretika, wobei die Dosis entsprechend den Symptomen, Zeichen der Kongestion, Blutdruck und Nierenfunktion angepasst werden sollte 4
- Die Kombination verschiedener Diuretika (z.B. Schleifendiuretika plus Thiazide oder Acetazolamid) erhöht das Risiko für Hypovolämie, Hypotonie, Hypokaliämie und Verschlechterung der Nierenfunktion 4
Risiken bei GFR < 14
- Bei extrem eingeschränkter Nierenfunktion (GFR < 14) ist das Risiko für Elektrolytstörungen und metabolische Azidose durch Acetazolamid deutlich erhöht 5
- Acetazolamid kann trotz seiner hohen intraerythrozytären Verteilung und Plasmaproteinbindungseigenschaften dialysierbar sein, was bei Nierenversagen wichtig sein kann 5
- Die Wirksamkeit von Acetazolamid ist bei Patienten mit höherer GFR (> 50) deutlich besser als bei schwerer Niereninsuffizienz 6
Alternative Strategien bei diuretikaresistenter Herzinsuffizienz mit Niereninsuffizienz
- Bei Diuretikaresistenz können Strategien wie Erhöhung der Dosis und/oder Häufigkeit der Diuretikaanwendung, intravenöse Verabreichung und Kombination der Diuretikatherapie (z.B. Furosemid + HCTZ, Furosemid + Spironolacton) wirksam sein 7
- Regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion und Elektrolyte (alle 1-2 Tage nach Beginn und nach jeder Dosiserhöhung) ist notwendig 7, 4
- In Fällen von Diuretikaresistenz bei schwerer Niereninsuffizienz sollte Ultrafiltration oder Dialyse in Betracht gezogen werden 7
Überwachung und Vorsichtsmaßnahmen
- Bei Verwendung von Diuretika bei schwerer Niereninsuffizienz ist eine engmaschige Überwachung von Harnstoff/BUN, Kreatinin und Kalium unerlässlich 4
- Die Dosis sollte reduziert werden, wenn die Flüssigkeitsretention kontrolliert ist 7
- NSAIDs sollten vermieden werden, da sie die Wirkung von Diuretika abschwächen und die Nierenfunktion beeinträchtigen können 4
Fazit
Bei Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz und schwerer Niereninsuffizienz (GFR < 14), die bereits Torasemid und Xipamid erhalten, ist Acetazolamid nicht zu empfehlen. Die Kombination mehrerer Diuretika erhöht das Risiko für Elektrolytstörungen und Verschlechterung der Nierenfunktion ohne nachgewiesenen Nutzen für die langfristigen Outcomes. Stattdessen sollte eine Optimierung der bestehenden Diuretikatherapie oder alternative Strategien wie Ultrafiltration in Betracht gezogen werden.