Domperidon bei genereller Übelkeit
Domperidon kann bei genereller Übelkeit wirksam sein, insbesondere bei Übelkeit im Zusammenhang mit Magenentleerungsstörungen, sollte jedoch aufgrund kardiovaskulärer Risiken (QT-Verlängerung) mit Vorsicht eingesetzt werden und ist in den USA nur über ein FDA-Prüfpräparat-Protokoll verfügbar. 1
Wirkmechanismus und Wirksamkeit
Domperidon ist ein Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonist, der als Antiemetikum und Prokinetikum wirkt, indem es auf die Chemorezeptor-Triggerzone und die Magenmotilität einwirkt. 2 Im Gegensatz zu Metoclopramid durchdringt Domperidon die Blut-Hirn-Schranke nur minimal, was das Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen deutlich reduziert. 3, 2
Evidenz zur Wirksamkeit:
- Domperidon lindert effektiv Symptome chronischer postprandialer Dyspepsie sowie Übelkeit und Erbrechen verschiedener Ursachen. 3
- In einer Gastroparese-Kohorte (n=115) zeigten 68% der Patienten eine Verbesserung der Symptomscore, allerdings mussten 7% das Medikament aufgrund kardialer Nebenwirkungen absetzen. 1
- Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 10 mg dreimal täglich; Dosierungen über 10 mg dreimal täglich sollten wegen des Risikos einer QT-Verlängerung vermieden werden. 1
Vergleich mit anderen Antiemetika
Domperidon vs. Metoclopramid:
- Beide Medikamente zeigen ähnliche antiemetische Wirksamkeit bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen. 4
- Domperidon hat ein deutlich günstigeres Nebenwirkungsprofil bezüglich zentralnervöser Effekte, da es die Blut-Hirn-Schranke kaum überwindet. 3, 2
- Metoclopramid ist das einzige FDA-zugelassene Medikament für Gastroparese in den USA, während Domperidon nur über ein Prüfpräparat-Protokoll erhältlich ist. 1
Alternative Antiemetika bei genereller Übelkeit:
- 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten (Ondansetron 4-8 mg 2-3x täglich, Granisetron 1 mg 2x täglich) blockieren Serotoninrezeptoren und sind bei Übelkeit und Erbrechen wirksam. 1
- Phenothiazine (Prochlorperazin 5-10 mg 4x täglich) reduzieren Übelkeit durch Dopaminrezeptor-Hemmung im Gehirn. 1
- NK-1-Rezeptor-Antagonisten (Aprepitant 80 mg/Tag) können bei bis zu einem Drittel der Patienten mit belastender Übelkeit wirksam sein. 1
Kardiovaskuläre Sicherheitsbedenken
Domperidon birgt signifikante kardiale Risiken, die bei der Verschreibung berücksichtigt werden müssen:
- Präklinische Studien zeigen eindeutig eine ausgeprägte hERG-Kanal-Hemmung und Aktionspotential-Verlängerung bei klinisch relevanten Konzentrationen. 5
- Das Medikament sollte nicht verabreicht werden bei: vorbestehender QT-Verlängerung/LQTS, gleichzeitiger Einnahme von CYP3A4-Inhibitoren, Elektrolytstörungen oder anderen Risikofaktoren für QT-Verlängerung. 5
- Die FDA hat eine Warnung zur kardialen Sicherheit von Domperidon herausgegeben. 5
Klinische Empfehlung
Für generelle Übelkeit sollte folgendes Vorgehen gewählt werden:
Erste Wahl: 5-HT3-Antagonisten (Ondansetron) oder Phenothiazine (Prochlorperazin) aufgrund besserer Verfügbarkeit und etablierter Sicherheitsprofile. 1
Domperidon als Option: Kann bei Übelkeit im Zusammenhang mit Magenentleerungsstörungen erwogen werden, wenn andere Antiemetika versagt haben und keine kardialen Kontraindikationen vorliegen. 1, 2
Dosierung: Falls Domperidon eingesetzt wird, 10 mg dreimal täglich; höhere Dosen vermeiden. 1
Monitoring: Bei Domperidon-Einsatz kardiovaskuläres Screening (EKG, Elektrolyte) vor Therapiebeginn und regelmäßige Kontrollen durchführen. 5
Wichtige Fallstricke
- Nicht bei postoperativer Übelkeit wirksam: Domperidon zeigte in einer Studie zur postoperativen Übelkeit nach Allgemeinanästhesie keine Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo, während Droperidol effektiv war. 6
- Verfügbarkeit beachten: In den USA nur über FDA-Prüfpräparat-Protokoll erhältlich, in Europa und Kanada regulär verfügbar. 1, 2
- Kardiale Risiken nicht unterschätzen: 7% der Patienten in einer Studie mussten Domperidon aufgrund kardialer Nebenwirkungen absetzen. 1