Domperidon ist schlechter fürs Herz als Metoclopramid
Nein, Domperidon ist nicht eindeutig schlechter fürs Herz als Metoclopramid – beide Medikamente tragen ein vergleichbares Risiko für QTc-Verlängerung, ventrikuläre Arrhythmien und plötzlichen Herztod, wobei Domperidon spezifische Warnungen der Arzneimittelbehörden erhalten hat, aber Metoclopramid ähnliche kardiale Risiken aufweist.
Vergleichbare kardiale Risikoprofile
Die aktuellsten epidemiologischen Studien aus 2015-2016 zeigen, dass beide Medikamente ein erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod und ventrikuläre Arrhythmien tragen, mit vergleichbaren Risikoerhöhungen 1. Zwei große Studien aus Taiwan und dem Vereinigten Königreich demonstrierten, dass Metoclopramid ein ähnliches Risiko wie Domperidon aufweist 1.
Domperidon: Spezifische kardiale Bedenken
QTc-Verlängerung: Domperidon verlängert die QTc-Zeit signifikant ab 30 nM Konzentration, mit einer sehr niedrigen Sicherheitsmarge von nur 5,25 (weit unter dem Minimum von 30) 2.
Proarrhythmische Effekte: Bei 60 nM zeigt Domperidon bei 83% der Herzen Repolarisationsstörungen, bei 100 nM bei 100%, einschließlich früher Nachdepolarisationen und polymorpher ventrikulärer Tachykardie 3.
Erhöhtes Sterberisiko: Domperidon erhöht die Odds Ratio für plötzlichen Herztod auf 2,8-6,21, wobei das Risiko bei Dosen über 30 mg/Tag stark ansteigt 3, 1.
Behördliche Warnungen: Die National Patient Safety Agency (NPSA) hat spezifische Warnhinweise für Domperidon bezüglich QTc-Verlängerung herausgegeben, und eine Langzeitanwendung erfordert QTc-Monitoring 4.
Metoclopramid: Vergleichbare kardiale Risiken
Ähnliches Arrhythmierisiko: Metoclopramid zeigt ein erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod und ventrikuläre Arrhythmien, vergleichbar mit Domperidon 1.
QTc-Verlängerung: Metoclopramid wird als QTc-verlängerndes Medikament klassifiziert, mit erhöhtem Risiko bei Kombination mit anderen QTc-verlängernden Substanzen 4.
Zusätzliche nicht-kardiale Risiken: Die European Medicines Agency empfiehlt, Metoclopramid nicht langfristig zu verwenden aufgrund extrapyramidaler Nebenwirkungen (besonders bei Kindern) und potenziell irreversibler tardiver Dyskinesie bei älteren Patienten 4.
Klinische Entscheidungsfindung
Hochrisikosituationen für beide Medikamente
- Weibliches Geschlecht und Alter >65 Jahre erhöhen die Anfälligkeit für QTc-Verlängerung 5.
- Baseline QTc >500 ms stellt eine Kontraindikation dar 5.
- Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie und Hypomagnesiämie, verstärken das Risiko 4, 5.
- Gleichzeitige Einnahme anderer QTc-verlängernder Medikamente (z.B. Moxifloxacin, Ondansetron, Antipsychotika) erzeugt additive Effekte 4, 6.
- Vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen erfordern besondere Vorsicht 5.
Monitoring-Algorithmus bei Verwendung beider Medikamente
- Baseline-EKG vor Therapiebeginn obligatorisch 4, 5.
- Elektrolytkorrektur (Kalium >4 mM/L, Magnesium normalisieren) vor Therapiestart 4.
- Follow-up-EKG nach Dosistitration 5.
- Medikation absetzen, wenn QTc >500 ms oder Anstieg >60 ms vom Baseline 4, 5.
Dosisabhängige Risiken
Domperidon: Das Risiko steigt deutlich bei Dosen >30 mg/Tag 3, 1. Bei gleichzeitiger Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren erhöht sich das Risiko zusätzlich 1.
Metoclopramid: Ähnliche dosisabhängige Risikoerhöhung, wobei die European Medicines Agency von Langzeitanwendung abrät 4.
Wichtige Fallstricke
Häufige Ko-Medikation mit QTc-verlängernden Substanzen
69,7% der Patienten unter Domperidon erhalten gleichzeitig QTc-interagierende Medikamente, was das Arrhythmierisiko erheblich erhöht 6. Dies gilt auch für Metoclopramid 4, 1.
Unzureichendes EKG-Monitoring
Nur 38,1% der Domperidon-Patienten erhalten ein Baseline-EKG, und nur 25,8% ein Follow-up-EKG 6. Dies ist besonders problematisch, da 15,3% bereits bei Therapiebeginn eine QTc-Verlängerung aufweisen 6.
Geschlechtsunterschiede
Frauen haben ein höheres Risiko für QTc-Verlängerung und Torsades de Pointes bei beiden Medikamenten 5.
Alternative Therapieoptionen
Angesichts der vergleichbaren kardialen Risiken beider Medikamente sollten alternative Prokinetika mit geringerem kardialem Risiko in Betracht gezogen werden: