Domperidon bei strahleninduzierter Übelkeit
Domperidon wird in den aktuellen Leitlinien nicht als Erstlinientherapie für strahleninduzierte Übelkeit empfohlen; 5-HT3-Antagonisten (wie Ondansetron oder Granisetron) sind die bevorzugten Wirkstoffe für alle Risikograde der Strahlentherapie. 1
Primäre Empfehlungen nach Leitlinien
Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) und MASCC/ESMO empfehlen folgende Antiemetika-Strategie basierend auf dem emetogenen Risiko der Strahlentherapie:
Hohes Risiko (>90%)
- 5-HT3-Antagonist vor jeder Fraktion während der gesamten Strahlentherapie und mindestens 24 Stunden nach Abschluss 1
- Dexamethason 4 mg oral oder i.v. während der Fraktionen 1-5 1
Moderates Risiko (60-90%)
- 5-HT3-Antagonist vor jeder Fraktion während der gesamten Strahlentherapie 1
- Optional Dexamethason 4 mg während der Fraktionen 1-5 1
Niedriges Risiko (30-60%)
- 5-HT3-Antagonist entweder prophylaktisch oder als Rescue-Therapie 1
Minimales Risiko (<30%)
- Rescue-Therapie mit Dopamin-Rezeptor-Antagonisten oder 5-HT3-Antagonisten 1
Rolle von Domperidon
Domperidon gehört zur Klasse der Dopamin-Rezeptor-Antagonisten. Die Leitlinien erwähnen diese Medikamentenklasse nur in spezifischen Kontexten:
- Bei minimalem emetogenen Risiko werden Dopamin-Rezeptor-Antagonisten als Rescue-Therapie empfohlen 1
- Als Breakthrough-Therapie bei Versagen der primären Prophylaxe 2, 3
- Die Leitlinien nennen spezifisch Metoclopramid (20 mg oral) und Prochlorperazin (10 mg oral oder i.v.) als bevorzugte Dopamin-Antagonisten 1
Wichtig: Domperidon wird in keiner der aktuellen ASCO-, MASCC- oder ESMO-Leitlinien explizit für strahleninduzierte Übelkeit genannt 1.
Evidenzlage
Eine Metaanalyse von 2017 zeigte eindeutig, dass 5-HT3-Antagonisten signifikant wirksamer sind als Dopamin-Rezeptor-Antagonisten bei der Kontrolle von strahleninduzierter Übelkeit und Erbrechen (OR 0.17; 95% CI: 0.05-0.58 für vollständige Kontrolle des Erbrechens) 4.
Eine ältere Studie von 1987 verglich Domperidon mit Metoclopramid und Methylprednisolon bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und fand, dass Domperidon deutlich weniger wirksam war (vollständiger Schutz nur bei 38% vs. 60% mit Metoclopramid und 85% mit Methylprednisolon) 5.
Praktisches Vorgehen
Wenn ein Patient trotz 5-HT3-Antagonist Übelkeit entwickelt:
- Andere Ursachen ausschließen: Obstipation, Elektrolytstörungen, Hyperkalzämie, ZNS-Metastasen 2, 6
- Metoclopramid 10-20 mg oral 3x täglich hinzufügen (nicht ersetzen) 2, 3
- Alternative Dopamin-Antagonisten: Prochlorperazin 5-10 mg oral/i.v. oder Haloperidol 0,5-1 mg alle 6-8 Stunden 3, 6
- Dexamethason 4 mg hinzufügen, falls noch nicht verwendet 2, 6
Wichtige Einschränkungen
- Domperidon ist nicht evidenzbasiert für strahleninduzierte Übelkeit 1
- Metoclopramid ist der bevorzugte Dopamin-Antagonist in den Leitlinien, da es zusätzlich prokinetische Effekte hat 3, 6
- 5-HT3-Antagonisten sollten nicht einfach wiederholt werden, wenn sie versagt haben; stattdessen sollte ein Wirkstoff mit anderem Wirkmechanismus hinzugefügt werden 6
- Bei älteren Patienten sollten reduzierte Dosen aller Antiemetika verwendet werden (Metoclopramid 5-10 mg statt 10-20 mg) 6