Kann Mönchspfeffer die Libido bei Frauen verringern?
Nein, Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) verursacht keine verminderte Libido bei Frauen mit prämenstruellem Syndrom, die schwanger werden möchten – im Gegenteil, es wird traditionell zur Verbesserung der Fruchtbarkeit eingesetzt und wirkt über Dopamin-D2-Rezeptoren, um Prolaktin zu senken, was theoretisch die Libido verbessern könnte.
Wirkmechanismus und hormonelle Effekte
- Mönchspfeffer enthält Diterpene, die mit Dopamin-D2-Rezeptoren in der Hypophyse interagieren und die Prolaktinfreisetzung hemmen 1.
- Erhöhte Prolaktinspiegel (Hyperprolaktinämie) sind ein wichtiger Faktor bei prämenstruellem Syndrom und können die Libido negativ beeinflussen 2.
- Durch die Senkung pathologisch erhöhter Prolaktinspiegel kann Mönchspfeffer theoretisch die Libido verbessern, nicht verringern 2, 1.
Klinische Evidenz bei prämenstruellem Syndrom
- Eine systematische Übersichtsarbeit von 17 randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass 13 von 14 Studien positive Effekte von Mönchspfeffer auf PMS-Symptome berichteten 3.
- Die gepoolte Effektgröße war groß (Hedges g: -1,21), allerdings mit hoher Heterogenität und Verzerrungsrisiko 3.
- Dopaminerge Verbindungen in Mönchspfeffer behandeln prämenstruelle Mastodynie und andere PMS-Symptome 4.
Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Reproduktion
- Mönchspfeffer reguliert den Ovarialzyklus und die Fruchtbarkeit über ein breites Spektrum von Mediatoren – von hypothalamischen und hypophysären Hormonen bis zu intrazellulären Regulatoren 5.
- Es wird zur Behandlung von Corpus-luteum-Insuffizienz, abnormaler Progesteron- und Prolaktinproduktion sowie niedriger Fruchtbarkeit eingesetzt 5.
- Die Pflanze hat potenzielle Wirkungen bei Menstruationsstörungen, Hyperandrogenismus und polyzystischem Ovarialsyndrom 5.
Wichtige Überlegungen für Frauen mit Kinderwunsch
- Keine Kontraindikation bei Kinderwunsch: Im Gegensatz zu Spironolacton (das in der Schwangerschaft kontraindiziert ist 6, 7) oder kombinierten hormonellen Kontrazeptiva (die für Frauen mit aktivem Kinderwunsch ungeeignet sind 6) gibt es keine Hinweise darauf, dass Mönchspfeffer die Empfängnis beeinträchtigt.
- Die Pflanze wird seit über 2500 Jahren als phytotherapeutisches Mittel verwendet, hauptsächlich zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen 1.
Einschränkungen der Evidenz
- Die meisten Studien weisen ein hohes Verzerrungsrisiko auf, und es besteht das Risiko eines Publikationsbias 3.
- Es fehlen große, qualitativ hochwertige randomisierte kontrollierte Studien, die die genauen pharmakologischen Aspekte von Mönchspfeffer-Extrakt belegen 1.
- Die gepoolten Behandlungseffekte sollten als explorativ betrachtet werden und überschätzen möglicherweise die tatsächliche Wirkung 3.
Klinische Empfehlung
- Mönchspfeffer kann als potenziell nützliche und sichere phytotherapeutische Option für Frauen mit PMS betrachtet werden, die schwanger werden möchten 1.
- Es gibt keine Evidenz für eine libidosenkende Wirkung – der Wirkmechanismus über Prolaktinsenkung würde eher das Gegenteil nahelegen 2, 1.
- Bei Frauen mit PCOS und Kinderwunsch sollten jedoch evidenzbasierte Erstlinientherapien wie Clomiphencitrat oder Letrozol in Kombination mit Lebensstilmodifikation bevorzugt werden 7, 8.