Wann Bisoprolol und wann Metoprolol verwenden?
Bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) sind Bisoprolol, Carvedilol und Metoprolol-Succinat (extended-release) gleichwertig wirksam mit nachgewiesener Mortalitätsreduktion – die Wahl sollte primär auf praktischen Erwägungen basieren: Bisoprolol bietet einmal tägliche Dosierung und konsistentere Beta-Blockade, während Metoprolol-Succinat bei Vorhofflimmern mit Herzinsuffizienz bevorzugt werden kann. 1
Evidenzbasierte Betablocker bei Herzinsuffizienz
Nur drei Betablocker haben eine bewiesene Mortalitätsreduktion bei HFrEF:
- Bisoprolol (1,25-10 mg einmal täglich)
- Carvedilol (3,125-50 mg zweimal täglich)
- Metoprolol-Succinat extended-release (12,5-200 mg einmal täglich)
Diese Mortalitätsreduktion ist kein Klasseneffekt – andere Betablocker wie Metoprolol-Tartrat haben diese Wirkung nicht nachgewiesen. 1
Bisoprolol: Hauptvorteile und Indikationen
Dosierungsvorteile:
- Einmal tägliche Gabe ermöglicht bessere Therapieadhärenz 1
- Konsistentere Beta-Blockade über 24 Stunden 1
- Kardioselektiv (Beta-1-selektiv), daher bevorzugt bei Patienten mit bronchospastischen Atemwegserkrankungen 2, 1
Klinische Evidenz:
- 34% relative Risikoreduktion der Mortalität bei Herzinsuffizienz 1
- Zieldosis 10 mg täglich, Start mit 1,25 mg täglich 1
- Dosisverdopplung alle 2-4 Wochen bei guter Verträglichkeit 1
Besondere Überlegungen bei Vorhofflimmern:
- In der RATE-AF-Studie zeigte Digoxin bessere Lebensqualität als Bisoprolol bei permanentem Vorhofflimmern mit Herzinsuffizienz 3, 4
- Bisoprolol hatte mehr Nebenwirkungen (64% vs. 25% bei Digoxin) 3
- Dennoch bleibt Bisoprolol Standardtherapie bei HFrEF mit Vorhofflimmern 1
Metoprolol: Hauptvorteile und Indikationen
Wichtige Formulations-Unterscheidung:
- Nur Metoprolol-Succinat (extended-release) ist bei Herzinsuffizienz wirksam 1, 5
- Metoprolol-Tartrat (immediate-release) hat keine nachgewiesene Mortalitätsreduktion bei HFrEF 1, 5
- Die COMET-Studie zeigte Carvedilol überlegen gegenüber Metoprolol-Tartrat 1
Dosierung bei HFrEF:
- Start: 12,5-25 mg einmal täglich (Metoprolol-Succinat) 1, 5
- Zieldosis: 200 mg einmal täglich 1, 5
- Dosisverdopplung alle 2 Wochen: 12,5 → 25 → 50 → 100 → 200 mg 1, 5
Klinische Vorteile (MERIT-HF-Studie):
- 34% Reduktion der Gesamtmortalität 1, 6
- 38% Reduktion der kardiovaskulären Mortalität 1
- 41% Reduktion des plötzlichen Herztodes 1
- 49% Reduktion des Todes durch progressive Herzinsuffizienz 1
- 35% Reduktion der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz 1
Vorhofflimmern-Prävention:
- Metoprolol reduzierte neue Vorhofflimmern-Episoden um 47% (RR 0,53; 95% CI 0,37-0,76) 6
- Ähnliche Herzfrequenzkontrolle bei Patienten mit und ohne Vorhofflimmern 6
Praktischer Entscheidungsalgorithmus
Wählen Sie Bisoprolol wenn:
- Einmal tägliche Dosierung für bessere Compliance gewünscht 1
- Patient hat bronchospastische Atemwegserkrankung (kardioselektiv bevorzugt) 2, 1
- Konsistentere 24-Stunden-Beta-Blockade erforderlich 1
Wählen Sie Metoprolol-Succinat wenn:
- Patient hat Vorhofflimmern mit Herzinsuffizienz (zusätzlicher Präventionseffekt) 6
- Post-Myokardinfarkt-Patient (spezifische Empfehlung) 1
- Umstellung von Metoprolol-Tartrat erforderlich 1
Bei Ihrer Patientin (aktuell Metoprolol 2×50mg):
- Falls Metoprolol-Tartrat: Umstellung auf Metoprolol-Succinat 100-200 mg einmal täglich empfohlen, da nur diese Formulierung Mortalitätsreduktion zeigt 1, 5
- Falls bereits Metoprolol-Succinat: Dosierung beibehalten oder auf Zieldosis 200 mg titrieren 1, 5
- Alternative: Umstellung auf Bisoprolol 5-10 mg einmal täglich für vereinfachte Einnahme 1
Wichtige Kontraindikationen (beide Medikamente)
- Dekompensierte Herzinsuffizienz (aktuelle oder innerhalb 4 Wochen) 1
- AV-Block II. oder III. Grades ohne Schrittmacher 2, 1, 5
- Symptomatische Bradykardie (<50 bpm mit Symptomen) 1, 5
- Aktives Asthma oder schwere reaktive Atemwegserkrankung 2, 1, 5
- Systolischer Blutdruck <100 mmHg mit Symptomen 1, 5
Häufige Fehler vermeiden
- Niemals abruptes Absetzen – Risiko für Rebound-Ischämie, Myokardinfarkt und Arrhythmien 1, 5
- Bei Verschlechterung der Herzinsuffizienz: Erst Diuretikum verdoppeln, dann erst Betablocker halbieren 1
- Mindestens 50% der Zieldosis anstreben (Bisoprolol 5 mg, Metoprolol 100 mg) für optimalen Mortalitätsvorteil 1
- Metoprolol-Tartrat nicht bei Herzinsuffizienz verwenden – nur Metoprolol-Succinat hat Evidenz 1, 5
Hypertonie-Überlegungen
Betablocker sind nicht Erstlinientherapie bei Hypertonie, außer bei gleichzeitiger ischämischer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz 2, 1. Bei Ihrer Patientin mit Herzinsuffizienz ist die Indikation jedoch klar gegeben.