Medikamente, die Parkinsonoid-Symptome induzieren können
Antipsychotika mit hohem Risiko für Parkinsonismus
Typische Antipsychotika sollten bei älteren Erwachsenen mit neurologischen oder psychiatrischen Vorerkrankungen grundsätzlich vermieden werden, da sie in 50% der Fälle nach 2 Jahren kontinuierlicher Anwendung zu Parkinsonismus und Spätdyskinesien führen. 1
Hochrisiko-Antipsychotika (zu vermeiden):
- Haloperidol, Fluphenazin, Thiothixen – Diese typischen Antipsychotika verursachen ausgeprägte extrapyramidale Symptome und sollten als Zweitlinientherapie nur eingesetzt werden, wenn atypische Antipsychotika nicht vertragen werden oder unwirksam sind 1
- Risperidon – Extrapyramidale Symptome treten bei Dosen ≥2 mg/Tag auf 1, 2
- Olanzapin – Bei Patienten über 75 Jahren weniger wirksam und mit erhöhtem Risiko für motorische Nebenwirkungen 1, 2
Relative Kontraindikationen bei Parkinson-Erkrankung:
- Brexpiprazol – Die American Geriatrics Society empfiehlt ausdrücklich, Brexpiprazol bei älteren Patienten mit Parkinson-Krankheit zu vermeiden, da es als unangemessenes Antipsychotikum für diese Population klassifiziert ist 3
- Nur Quetiapin, Clozapin und Pimavanserin gelten als akzeptable Alternativen bei Parkinson-Patienten 3
Anticholinerge Medikamente
Anticholinerge Medikamente verschlechtern sowohl kognitive Funktionen als auch Parkinsonismus-Symptome und sollten bei älteren Erwachsenen systematisch identifiziert und abgesetzt werden. 2, 4
Hochpotente Anticholinergika (unbedingt vermeiden):
- Oxybutynin – Verursacht breite muskarinische Rezeptorblockade mit kognitiver Beeinträchtigung, Delir, erhöhtem Sturzrisiko und funktionellem Abbau 4
- Diphenhydramin, Hydroxyzin – Verschlechtern Verwirrtheit und Agitation 2
- Cyclobenzaprin – Verstärkt Agitation und kognitive Dysfunktion 2
- Benztropin, Trihexyphenidyl – Sollten vermieden werden, wenn extrapyramidale Symptome auftreten 1
Prokinetika und Antiemetika
Metoclopramid erhöht das Risiko für parkinsonähnliche Nebenwirkungen mit steigender Dosis, insbesondere bei geriatrischen Patienten. 5
- Metoclopramid – Das FDA-Label warnt explizit: "Das Risiko für die Entwicklung parkinsonähnlicher Nebenwirkungen steigt mit zunehmender Dosis. Geriatrische Patienten sollten die niedrigste wirksame Dosis erhalten. Wenn parkinsonähnliche Symptome bei einem geriatrischen Patienten auftreten, sollte Metoclopramid in der Regel abgesetzt werden, bevor spezifische Anti-Parkinson-Mittel eingeleitet werden" 5
- Substitutierte Benzamide sind häufig an der Entstehung von medikamenteninduziertem Parkinsonismus beteiligt 6
Kalziumkanalblocker
- Bestimmte Kalziumkanalblocker gehören zu den am häufigsten beteiligten Medikamenten bei medikamenteninduziertem Parkinsonismus 6
- Diese werden oft übersehen, da sie außerhalb psychiatrischer Indikationen weit verbreitet sind 6
Antidepressiva mit geringerem Risiko
SSRIs stellen die sicherste Option für ältere Erwachsene mit neurologischen oder psychiatrischen Vorerkrankungen dar, obwohl sie Tremor verursachen können. 1, 2
Bevorzugte Optionen:
- Sertralin (25-50 mg/Tag, maximal 200 mg/Tag) – Beste Verträglichkeit mit minimalen Arzneimittelinteraktionen 1, 2
- Citalopram (10 mg/Tag, maximal 40 mg/Tag) – Gut verträglich, einige Patienten erleben Übelkeit und Schlafstörungen 1, 2
Zu vermeidende Antidepressiva:
- Paroxetin – Stärker anticholinerg als andere SSRIs 1
Klinische Überwachung und Management
Diagnostische Abklärung bei Parkinsonismus:
- Umfassende neurologische Konsultation mit struktureller Bildgebung und Ioflupan (I-123) Dopamintransporter-SPECT ist bei älteren Erwachsenen mit Parkinsonismus unter Antipsychotika notwendig 7
- Parkinsonismus bei Senioren unter Antipsychotika kann nicht einfach der Medikation zugeschrieben werden – Parkinson-Krankheit, idiopathischer Tremor oder vaskulärer Parkinsonismus müssen ausgeschlossen werden 7
Zeitverlauf der Erholung:
- Nach Absetzen des auslösenden Medikaments tritt bei der Mehrheit der Patienten innerhalb von 6-18 Monaten eine vollständige Remission ein 6
- Anti-Parkinson-Medikamente sind nur ratsam, wenn die Symptomatik behindernd ist 6
Häufige Fallstricke
- Polypharmazie – Ältere Erwachsene erhalten oft mehrere Medikamente, einschließlich Selbstmedikation, was das Risiko für medikamenteninduzierten Parkinsonismus erhöht 6
- Mangelndes Bewusstsein – Fehlende Kenntnisse in der Ärzteschaft über die potenziellen Gefahren bestimmter Medikamente tragen zur Entwicklung von medikamenteninduziertem Parkinsonismus bei 6
- Primärversorgung als Hauptverschreiber – Hausärzte stellen die überwiegende Mehrheit der Verschreiber dar, auch bei Patienten mit Parkinsonismus, was auf Bildungsbedarf hinweist 8
- Persistierende Verschreibung – 20% der Personen mit Parkinsonismus, die 2013 Antipsychotika erhielten, bekamen ein typisches Antipsychotikum verschrieben, trotz bekannter Risiken 8