Penfluridol: Fakten für chronische Schizophrenie
Grundlegende Eigenschaften
Penfluridol ist ein langwirksames orales Antipsychotikum der ersten Generation, das einmal wöchentlich verabreicht wird und eine wirksame Alternative für Patienten mit chronischer Schizophrenie darstellt, insbesondere bei mangelnder Therapietreue. 1
- Penfluridol gehört zur Diphenylbutylpiperidin-Klasse und ist das erste langwirkende orale Neuroleptikum, das als Depot-Medikament betrachtet werden kann 1, 2
- Die Substanz ist seit 1970 verfügbar und wurde ursprünglich für chronische Schizophrenie, akute Psychosen und Tourette-Syndrom zugelassen 3
- Der Hersteller Janssen-Cilag stellte 2009 die Produktion ein, wodurch Penfluridol nur noch über Rezepturherstellung verfügbar ist 3
Wirksamkeit und klinische Evidenz
Überlegenheit gegenüber Placebo
- In mittelfristigen Studien zeigte Penfluridol signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo bei der Verbesserung des Globalzustands (n=159,4 RCTs, RR 0.69,95% CI 0.6-0.8, NNT 3) 1
- Der Bedarf an zusätzlichen Antipsychotika war unter Penfluridol deutlich reduziert (n=138,5 RCTs, RR 0.43,95% CI 0.2-0.8, NNT 3) 1
Vergleichbare Wirksamkeit zu anderen Antipsychotika
- Penfluridol zeigt keine signifikanten Unterschiede in Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu oralen typischen Antipsychotika wie Chlorpromazin, Fluphenazin, Trifluoperazin, Thioridazin oder Thiothixen 1
- Eine direkte Vergleichsstudie mit Chlorpromazin bei 41 chronischen Schizophrenie-Patienten zeigte vergleichbare Wirksamkeit (maximale Dosis: 140 mg/Woche Penfluridol vs. 7350 mg/Woche Chlorpromazin) 4
Vorteil gegenüber Depot-Antipsychotika
- Penfluridol zeigt eine signifikant niedrigere Abbruchrate im Vergleich zu Depot-Antipsychotika (n=218,5 RCTs, RR 0.55,95% CI 0.3-0.97, NNT 6), was auf bessere Akzeptanz hinweist 1
- Dies macht Penfluridol besonders wertvoll für Patienten, die auf tägliche orale Medikation nicht ansprechen, sich aber nicht gut an Depot-Injektionen anpassen 1
Dosierung und Anwendung
- Die Anfangsdosis sollte 60 mg pro Woche nicht überschreiten 4
- Die maximale Wochendosis beträgt 140 mg 4, 1
- Die Dosis wird wöchentlich angepasst, bis der Zustand des Patienten stabilisiert ist 4
- Patienten können abrupt von vorherigen Neuroleptika auf Penfluridol umgestellt werden, ohne Kontrollverlust 4
- Bei akut aufgenommenen floriden psychotischen Patienten kann Penfluridol täglich bis zu 120 mg verabreicht werden, mit statistisch signifikanter Wirkung innerhalb von 7 Tagen, oft bereits nach 72 Stunden 5
Nebenwirkungsprofil
Extrapyramidale Symptome
- Die häufigsten Nebenwirkungen sind extrapyramidaler Natur und können mit Benztropin-Mesilat gut behandelt werden 4
- Die Inzidenz extrapyramidaler Reaktionen, die eine antiparkinsonische Medikation erfordern, liegt bei etwa 35% während der Langzeitbehandlung 2
Besondere Vorteile
- Penfluridol verursacht keine unspezifische Sedierung, die bei vielen anderen Neuroleptika problematisch ist 5
- Selbst bei relativ hohen Dosen treten keine hypotensiven Effekte auf 5
- Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder signifikanten Laborwertveränderungen wurden in Langzeitstudien beobachtet 2
Langzeitwirksamkeit
- Eine einjährige unkontrollierte Studie mit 24 chronischen Schizophrenie-Patienten (mittleres Alter 42,2 Jahre, mittlere Krankheitsdauer 15,4 Jahre) zeigte progressive signifikante Verbesserung der Bleulerschen Primärsymptome 2
- Verbesserungen wurden bei emotionalem Rückzug, konzeptueller Desorganisation, motorischer Retardierung, mangelnder Kooperation und verflachtem Affekt beobachtet 2
- Die Versagensrate war mit nur vier von 24 Patienten sehr niedrig 2
- Die soziale Anpassung und Aktivität verbesserten sich parallel zur Symptomreduktion 2
Klinische Positionierung
Ideale Patientengruppen
- Chronische Schizophrenie-Patienten mit residualen psychotischen Symptomen, die kontinuierliche antipsychotische Medikation benötigen 1
- Patienten mit mangelnder Therapietreue bei täglicher oraler Medikation 1, 3
- Patienten, die Depot-Injektionen ablehnen oder nicht gut tolerieren 1
Wirtschaftliche Überlegungen
- Penfluridol ist eine kostengünstige Intervention 1
- Die einmal wöchentliche Verabreichung kann die Compliance verbessern und Rückfallraten reduzieren 3
Wichtige Einschränkungen
- Als typisches Antipsychotikum der ersten Generation hat Penfluridol ein höheres Risiko für extrapyramidale Symptome im Vergleich zu atypischen Antipsychotika 6, 7
- Die kommerzielle Nichtverfügbarkeit erfordert Rezepturherstellung, was die Zugänglichkeit einschränkt 3
- Mangelnde Therapietreue bleibt ein Hauptgrund für Rückfälle und Wiederaufnahmen bei Schizophrenie-Patienten 3