Penfluridol: Profil eines langwirksamen oralen Antipsychotikums
Grundlegende Charakteristika
Penfluridol ist ein ungewöhnliches, langwirksames orales Antipsychotikum der ersten Generation aus der Diphenylbutylpiperidin-Klasse, das einmal wöchentlich verabreicht wird und damit als orales Depot-Medikament betrachtet werden kann. 1
- Verfügbar seit 1970, speziell für die Behandlung chronischer Schizophrenie entwickelt 1
- Einzigartige Eigenschaft: Wöchentliche orale Gabe statt täglicher Einnahme, was es von anderen oralen Antipsychotika unterscheidet 1, 2
- Gehört zu den typischen (First-Generation) Antipsychotika mit entsprechendem Wirkmechanismus 1
Klinische Wirksamkeit
Vergleich mit Placebo
- Überlegene Wirksamkeit gegenüber Placebo in mittelfristigen Studien: Verbesserung des Globalzustands (NNT 3) und reduzierter Bedarf an zusätzlichen Antipsychotika (NNT 3) 1
Vergleich mit anderen typischen Antipsychotika
- Vergleichbare Wirksamkeit wie Chlorpromazin, Fluphenazin, Trifluoperazin, Thioridazin und Thiothixen bezüglich Hauptwirksamkeitsparametern 1
- In einer kontrollierten Studie war Penfluridol genauso wirksam wie Fluphenazin (zweimal täglich) und zeigte möglicherweise Überlegenheit bei der Verbesserung von emotionalem Rückzug und Anergie 3
- Maximaldosis bis 140 mg pro Woche, vergleichbar mit bis zu 7350 mg Chlorpromazin pro Woche 4
Vergleich mit Depot-Antipsychotika
- Ähnliches Wirksamkeits- und Nebenwirkungsprofil wie Depot-Präparate 1
- Signifikanter Vorteil: Niedrigere Abbruchrate im Vergleich zu Depot-Medikamenten (NNT 6), was auf bessere Akzeptanz hinweist 1
Langzeitwirkung und spezielle Effekte
- Langzeitbehandlung über ein Jahr zeigte progressive signifikante Verbesserung der Bleulerschen Primärsymptome (emotionaler Rückzug, Konzeptdesorganisation, motorische Retardierung, mangelnde Kooperation, verflachter Affekt) 5
- Verbesserung der sozialen Anpassung und Aktivität bei chronischen Schizophrenie-Patienten 5
- Sehr niedrige Versagensrate (nur 4 von 24 Patienten in Langzeitstudie) 5
Nebenwirkungsprofil
- Hauptsächlich extrapyramidale Symptome (EPS), typisch für First-Generation-Antipsychotika 1, 4
- Inzidenz von EPS, die Antiparkinson-Medikation erforderten: 35% in Langzeitstudien 5
- EPS gut kontrollierbar mit Benztropin-Mesilat 4
- Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder signifikanten Laborwertveränderungen in Langzeitstudien beobachtet 5
- Vergleichbares Sicherheitsprofil wie andere typische Antipsychotika, sowohl oral als auch Depot 1
Klinische Indikationen und Patientenauswahl
Penfluridol ist besonders geeignet für:
- Patienten mit chronischer Schizophrenie, die nicht auf tägliche orale Medikation ansprechen 1
- Patienten, die sich nicht gut an Depot-Injektionen anpassen 1
- Chronische Schizophrenie-Patienten mit residualen psychotischen Symptomen, die kontinuierliche antipsychotische Medikation benötigen 1
- Akute Psychosen und Tourette-Syndrom 2
Praktische Anwendung
Dosierung und Titration
- Startdosis: Maximal 60 mg pro Woche 4
- Maximale Wochendosis: 140 mg 4, 5
- Wöchentliche Dosisanpassung bis zur Stabilisierung des Patientenzustands 4
- Patienten können abrupt von vorheriger neuroleptischer Medikation auf Penfluridol umgestellt werden ohne Kontrollverlust 4
Verfügbarkeit und aktuelle Situation
- Wichtiger Hinweis: Der einzige weltweite Hersteller (Janssen-Cilag) stellte 2009 die Produktion ein 2
- Dies zwang viele psychotische Patienten weltweit, die bequeme wöchentliche Behandlung aufzugeben und auf tägliche orale Behandlung oder Depot-Injektionen umzusteigen 2
- Seit 2009 bietet dies eine Möglichkeit für Rezeptur-Apotheken, dieses Medikament herzustellen, mit positivem Feedback von Ärzten und Patienten (z.B. in Israel seit 5 Jahren verfügbar) 2
Klinischer Stellenwert
- Kosteneffektive Intervention 1
- Adäquate Behandlungsoption für Schizophrenie-Patienten, besonders bei Compliance-Problemen mit täglicher oraler Medikation 1
- Bietet Alternative zwischen täglicher oraler Medikation und injizierbaren Depot-Präparaten 1, 2
Wichtige Einschränkungen
- Als First-Generation-Antipsychotikum fehlen die potenziellen Vorteile von Second-Generation-Antipsychotika bezüglich Verträglichkeit und neurologischer Nebenwirkungen 6
- Die meisten Studien stammen aus den 1970er Jahren, als Penfluridol eingeführt wurde 1
- Begrenzte moderne Evidenz im Vergleich zu neueren Antipsychotika 1