Ja, ein hepatocholestatisches Muster ist mit Alkoholismus vereinbar
Ein hepatocholestatisches (gemischtes) Leberschädigungsmuster kann bei Alkoholismus auftreten, ist jedoch weniger typisch als ein rein hepatozelluläres Muster und sollte andere Ursachen ausschließen lassen.
Typisches Labormuster bei alkoholischer Lebererkrankung
Das klassische Labormuster bei alkoholischer Lebererkrankung ist hepatozellulär mit folgenden Charakteristika:
- AST/ALT-Verhältnis >2 ist hochsuggestiv für alkoholische Lebererkrankung, wobei ein Verhältnis >3 noch spezifischer ist 1, 2
- AST und ALT bleiben typischerweise unter 300-400 IU/L; höhere Werte sollten an medikamentös-toxische Leberschädigung oder ischämische Hepatitis denken lassen 1, 2
- Gamma-GT ist bei etwa 75% der chronischen Alkoholkonsumenten erhöht 2
- MCV (mittleres korpuskuläres Volumen) ist häufig erhöht 2
Hepatocholestatisches Muster bei Alkoholismus
Ein gemischtes oder cholestatisches Muster kann jedoch vorkommen:
- Akute intrahepatische Cholestase kann in seltenen Fällen eine Steatose begleiten, muss aber von anderen Ursachen (medikamentös-induziert, mechanische Obstruktion durch Pankreatitis oder Choledocholithiasis) unterschieden werden 3
- Bei alkoholischer Hepatitis korrelieren cholestatische Veränderungen mit einer zunehmend schlechteren Prognose 4
- Die Histologie der alkoholischen Hepatitis zeigt Gallengangsproliferation als eines der möglichen Merkmale 4
Wichtige diagnostische Überlegungen bei Ihrem Patienten
Bei einem Patienten mit Hypoglykämie und Alkoholanamnese müssen Sie besonders beachten:
- Alkoholische Ketoazidose kann mit schwerer Hypoglykämie einhergehen, verursacht durch verminderte orale Aufnahme, Hemmung der Glukoneogenese und reduzierte hepatische Glykogenspeicher 5, 6
- Wenn der Serumglukosespiegel niedriger als die Anionenlücke ist, sollte an alkoholische Ketoazidose gedacht werden 6
- Chronischer Alkoholismus führt zu Glukoseintoleranz, kann aber auch zu schwerer Hypoglykämie führen 7
Differentialdiagnostischer Algorithmus
Bei hepatocholestatischem Muster und Alkoholanamnese:
- Ultraschall durchführen um dilatierte Gallenwege auszuschließen und mechanische Obstruktion zu erkennen 4
- Pankreatitis ausschließen, da diese bei Alkoholikern häufig koexistiert und mechanische Cholestase verursachen kann 4, 8, 3
- Medikamentenanamnese der letzten 6 Wochen erheben, einschließlich pflanzlicher Präparate und Vitamine 4
- Andere Ursachen für intrahepatische Cholestase erwägen: Sepsis, virale Hepatitis, maligne Infiltration 4
Klinische Fallstricke
- Normale Leberwerte schließen eine signifikante alkoholbedingte Lebererkrankung nicht aus 1
- Bei Patienten mit Alkoholanamnese haben bis zu 20% eine sekundäre oder koexistierende Ätiologie der Lebererkrankung 4
- Die Kombination von Hepatitis C und Alkohol führt zu schwererer Leberschädigung als Alkohol allein 4
- Cholestatische Veränderungen bei alkoholischer Hepatitis sind mit schlechterer Prognose assoziiert und können auf Ansprechen auf Kortikosteroidtherapie hinweisen 4