Lupusspezifische Hautläsionen
Lupusspezifische Hautläsionen werden in drei Hauptkategorien eingeteilt: akuter kutaner Lupus erythematodes (ACLE), subakuter kutaner Lupus erythematodes (SCLE) und chronischer kutaner Lupus erythematodes (CCLE), wobei die Klassifikation auf klinischer Morphologie, Läsionsdauer und histopathologischen Befunden basiert. 1, 2
Klassifikation der lupusspezifischen Hautläsionen
Akuter kutaner Lupus erythematodes (ACLE)
- Schmetterlingserythem ist die klassische Manifestation mit erythematösen Makulae, Teleangiektasien oder papulosquamösen Läsionen im Gesicht, das bei etwa 51% der SLE-Patienten auftritt 3
- Faziales Ödem kann in etwa 5% der Fälle auftreten 3
- ACLE-Läsionen sind typischerweise oberflächlich, nicht-induriert und nicht-vernarbend 4
- Diese Läsionen korrelieren stark mit aktiver systemischer Erkrankung und erfordern häufig immunsuppressive Therapie 1, 5
Subakuter kutaner Lupus erythematodes (SCLE)
- SCLE präsentiert sich als psoriasiforme oder anulär-polyzyklische Läsionen, die photosensitiv sind und ohne Narbenbildung abheilen 2, 4
- Die Läsionen sind charakteristischerweise oberflächlich, nicht-induriert und nicht-vernarbend, wobei das Fehlen von Induration das wichtigste klinische Unterscheidungsmerkmal zu DLE darstellt 4
- Anti-Ro/SSA- und Anti-La/SSB-Antikörper sind häufig mit SCLE assoziiert, und diese Antikörper tragen ein Risiko für neonatalen Lupus und kongenitalen Herzblock bei zukünftigen Schwangerschaften 1
- Histologisch zeigt SCLE ein relativ spärliches, oberflächliches Infiltrat im Gegensatz zum dichteren, tieferen Infiltrat bei DLE 4
- Die direkte Immunfluoreszenz zeigt ein distinktives Muster mit partikulärer epidermaler IgG-Ablagerung bei Anti-Ro/SSA-positiven SCLE-Patienten 4
Chronischer kutaner Lupus erythematodes (CCLE)
Diskoider Lupus erythematodes (DLE)
- DLE ist die häufigste Form des CCLE und tritt bei etwa 25% der SLE-Patienten auf 3
- Die Läsionen sind induriert, vernarbend und atrophisch mit follikulärer Hyperkeratose und Verlust der Hautanhangsgebilde 2, 4
- Bei 12-15% der Patienten können DLE-Läsionen der systemischen Erkrankung vorausgehen 3
- Vernarbende Alopezie sekundär zu DLE tritt bei etwa 14-15% der Patienten auf 3
- Histologisch zeigt DLE ein dichtes, tiefes lymphozytäres Infiltrat mit perivaskulärer und periadnexaler Verteilung 2, 4
Lupus profundus (Lupus-Pannikulitis)
- Diese seltene Form betrifft das subkutane Fettgewebe und präsentiert sich als tiefe, subkutane Knoten 2
Chilblain-Lupus
- Chronischer Chilblain-Lupus tritt bei etwa 20,5% der SLE-Patienten auf, besonders in britischen Populationen 3
- Diese Form manifestiert sich als erythematöse, ödematöse Läsionen an akralen Stellen 3
Hypertrophischer/verruköser Lupus
- Diese Variante zeigt ausgeprägte Hyperkeratose und warzenähnliche Läsionen 6
Lupus tumidus (intermittierende Form - ICLE)
- Lupus tumidus wird von einigen Autoren als eigenständige Form betrachtet 2
- Charakteristisch sind Muzinablagerungen in der Dermis ohne signifikante epidermale Veränderungen 2
Schleimhautbeteiligung
- Orale Ulzerationen treten bei etwa 31,5% der SLE-Patienten auf, wobei 15% diese bereits bei Krankheitsbeginn aufweisen 3
- Chronische bukkale Plaques und Cheilitis durch DLE können bei etwa 4% der Patienten auftreten 3
- Erythem und oberflächliche Ulzerationen des Gaumens, die nicht typisch für aphthöse Ulzera sind, werden bei etwa 4% beobachtet 3
Diagnostischer Ansatz
Hautbiopsie
- Die Hautbiopsie mit histologischer Analyse ist der Goldstandard für die Diagnose von kutanem Lupus erythematodes 1, 7
- Die Biopsie sollte aus dem aktivsten erythematösen oder sklerotischen Anteil der Läsion entnommen werden, solange diese klinisch sichtbar ist, da die diagnostische Ausbeute nach vollständiger Abheilung deutlich abnimmt 1
- Eine Stanzbiopsie von mindestens 4 mm ist erforderlich, um sowohl oberflächliche als auch tiefe dermale Veränderungen zu erfassen 1, 7
- Die Immunfluoreszenz sollte durchgeführt werden, um Ablagerungen von Immunglobulinen (IgG, IgA, IgM) und Komplementkomponenten (C3, C1q) nachzuweisen 1
Histopathologische Merkmale
- Die Histopathologie des CLE ist charakterisiert durch eine Interface-Dermatitis mit Vakuolisierung der Basalschicht, ein überwiegend lymphozytäres, perivaskuläres und periadnexales Infiltrat 2
- Epidermale und follikuläre Hyperkeratose sowie Ablagerung von PAS-positivem Material an der dermo-epidermalen Junktion führen zu atrophisch-vernarbender Entwicklung 2
Wichtige klinische Fallstricke
- Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf das klinische Erscheinungsbild, da viele entzündliche und infektiöse Erkrankungen ähnliche Merkmale aufweisen können 7
- Verzichten Sie nicht auf die histopathologische Bestätigung, selbst wenn die klinischen Merkmale hochsuggestiv sind, da die Differentialdiagnose breit ist 7
- Bei Veränderung der klinischen Morphologie der Läsionen oder fehlendem Ansprechen auf die Therapie ist eine Wiederholungsbiopsie indiziert 7
- Verzögern Sie die Biopsie nicht, bis die Läsion vollständig abgeheilt ist, da sonst unspezifische histologische Befunde den Lupus möglicherweise nicht ausschließen können 1
- Bei Verdacht auf neoplastische Transformation (z.B. persistierende Hyperkeratose, Erosion, Erythem oder neue warzenähnliche Läsionen) ist eine Hautbiopsie zum Ausschluss einer Malignität erforderlich 1
Autoantikörper-Profil und Prognose
- Anti-Ro/SSA- und Anti-La/SSB-Antikörper sind besonders bei SCLE relevant und sollten bei Frauen im gebärfähigen Alter besonders beachtet werden 1
- Die Progression von CLE zu SLE wird in 12-18% der Fälle berichtet 2
- DLE-Läsionen, die der systemischen Erkrankung vorausgehen, treten bei 12-15% der Patienten auf und erfordern engmaschige Überwachung auf systemische Manifestationen 3