Neuroleptika (Antipsychotika) bei Bandscheibenvorfall-Schmerzen
Neuroleptika werden nicht für die Behandlung von Schmerzen bei Bandscheibenvorfällen empfohlen und sollten vermieden werden, da es keine ausreichende Evidenz für ihre Wirksamkeit gibt und das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen besteht.
Evidenzbasierte Behandlungsoptionen für Bandscheibenvorfälle
Erstlinientherapie
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) und Acetaminophen sind die Hauptmedikamente für akute und chronische Rückenschmerzen, einschließlich Bandscheibenvorfällen 1
- Körperliche Aktivität und gezielte Bewegungstherapie sollten frühzeitig eingesetzt werden 1
- Patientenaufklärung über den natürlichen Verlauf (meist selbstlimitierend) und Aktivitätsmodifikation 1
Medikamentöse Therapieoptionen bei anhaltenden Schmerzen
- Bei neuropathischen Schmerzen (Radikulopathie) können folgende Medikamente erwogen werden:
- Gabapentinoide (Pregabalin, Gabapentin) haben moderate Evidenz für die Behandlung neuropathischer Schmerzen 1
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) wie Duloxetin zeigen moderate Wirksamkeit 1
- Trizyklische Antidepressiva können bei neuropathischen Schmerzen hilfreich sein, besonders bei älteren Patienten mit niedrigeren Dosen beginnen 1
Interventionelle Verfahren
- Bei anhaltenden Schmerzen nach 4-6 Wochen konservativer Therapie:
Chirurgische Optionen
- Chirurgische Intervention sollte erwogen werden bei:
Warum Neuroleptika nicht empfohlen werden
- Es gibt keine evidenzbasierte Unterstützung für den Einsatz von Neuroleptika bei Bandscheibenvorfällen in aktuellen Leitlinien 1
- Neuroleptika werden hauptsächlich für die Behandlung von positiven Symptomen der Psychose eingesetzt, nicht für Schmerzzustände 3
- Schwerwiegende Nebenwirkungen wie extrapyramidale Symptome (bei typischen Neuroleptika) und metabolische Syndrome (bei atypischen Neuroleptika) überwiegen den potenziellen Nutzen 3
- Selbst bei neuropathischen Schmerzen gibt es besser untersuchte und sicherere Alternativen wie Gabapentinoide, SNRIs und trizyklische Antidepressiva 1
Häufige Fehler bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen
- Übermäßiger Einsatz von Bildgebung vor Ablauf von 4-6 Wochen konservativer Therapie bei Patienten ohne Warnsignale 1, 2
- Unzureichende Beurteilung von Warnsignalen (Cauda-Equina-Syndrom, progressive neurologische Defizite, Verdacht auf Infektion oder Malignom) 1
- Übermäßige Verschreibung von Opioiden, die für chronische Rückenschmerzen nur begrenzt wirksam sind und Abhängigkeitsrisiken bergen 1
- Vernachlässigung psychosozialer Faktoren, die starke Prädiktoren für den Verlauf von Rückenschmerzen sind 2
Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall
- Gezielte Anamnese und körperliche Untersuchung mit Straight-Leg-Raise-Test (hohe Sensitivität von 91% für lumbale Bandscheibenvorfälle) 2
- Neurologische Untersuchung zur Beurteilung von Kraftgrad, Reflexen und Sensibilität 2
- MRT ist die bevorzugte Bildgebung bei anhaltenden Symptomen oder Warnsignalen 1, 2
- Beurteilung psychosozialer Risikofaktoren für chronische Schmerzen 1
Bei anhaltenden Schmerzen trotz konservativer Therapie sollte eine Überweisung an einen Spezialisten (Orthopäde, Neurochirurg, Schmerztherapeut) erwogen werden, anstatt auf nicht evidenzbasierte Therapien wie Neuroleptika zurückzugreifen 2.