Analgetika bei Bandscheibenvorfall
Bei einem Bandscheibenvorfall sollten als Erstlinientherapie Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) eingesetzt werden, wobei NSAIDs eine stärkere Schmerzlinderung bieten. 1
Stufenweises Vorgehen zur Schmerztherapie
Erstlinientherapie
- Paracetamol: Aufgrund des günstigeren Sicherheitsprofils und der niedrigen Kosten als erste Option geeignet, obwohl es eine etwas schwächere analgetische Wirkung als NSAIDs hat 1
- NSAIDs (z.B. Ibuprofen): Wirksamer als Paracetamol bei der Schmerzlinderung, jedoch mit bekannten gastrointestinalen und renovaskulären Risiken verbunden 1
Zweitlinientherapie
- Muskelrelaxantien: Option für die kurzfristige Linderung akuter Rückenschmerzen, jedoch mit zentralnervösen Nebenwirkungen (hauptsächlich Sedierung) verbunden 1
- Opioidanalgetika oder Tramadol: Können bei schweren, behindernden Schmerzen erwogen werden, die mit Paracetamol und NSAIDs nicht kontrolliert werden können 1
- Aufgrund erheblicher Risiken, einschließlich aberranter arzneimittelbezogener Verhaltensweisen bei Langzeitanwendung, sollten potenzielle Nutzen und Schäden sorgfältig abgewogen werden 1
Bei neuropathischen Schmerzkomponenten
- Trizyklische Antidepressiva: Option zur Schmerzlinderung bei chronischen Rückenschmerzen ohne Kontraindikationen 1
- Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin): Mit kleinen, kurzfristigen Vorteilen bei Patienten mit Radikulopathie verbunden 1
Besondere Überlegungen und Vorsichtsmaßnahmen
NSAIDs-Risikomanagement
- Kardiovaskuläre und gastrointestinale Risikofaktoren vor der Verschreibung von NSAIDs bewerten 1
- Die niedrigste wirksame Dosis für den kürzesten notwendigen Zeitraum empfehlen 1
- Bei älteren Patienten (>60 Jahre) besondere Vorsicht walten lassen wegen erhöhtem Risiko für Nieren-, GI- und kardiale Toxizität 1
- Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für GI-Komplikationen selektive COX-2-Hemmer oder NSAIDs mit einem Protonenpumpenhemmer erwägen 1
Opioid-Management
- Versagen auf einen zeitlich begrenzten Opioid-Kurs sollte zu einer Neubewertung und Erwägung alternativer Therapien oder Überweisung zur weiteren Evaluation führen 1
- Besonders bei älteren Traumapatienten besteht ein erhöhtes Risiko für Opioid-Nebenwirkungen wie Übersedierung und Atemdepression 1
Evidenzbasierte Wirksamkeit
- Eine randomisierte klinische Studie zeigte, dass Etodolac (ein NSAID) bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen wirksam ist, mit einer moderaten oder besseren Verbesserung bei 54% der Patienten nach zwei Wochen 2
- Eine kurze Behandlung mit oralen Steroiden bei akuter Radikulopathie aufgrund eines Bandscheibenvorfalls führte zu einer mäßigen Verbesserung der Funktion, jedoch zu keiner Verbesserung der Schmerzen 3
- Thioktinsäure (600 mg/Tag) scheint bei der Behandlung von Ischiasschmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls wirksam zu sein und kann mit einer Verbesserung der Symptomwerte und einem verringerten Bedarf an Analgetika verbunden sein 4
Zusammenfassung des Behandlungsalgorithmus
- Beginnen Sie mit Paracetamol oder NSAIDs (Ibuprofen bevorzugt) 1
- Bei unzureichender Schmerzlinderung: Erwägen Sie kurzfristig Muskelrelaxantien 1
- Bei schweren, behindernden Schmerzen: Erwägen Sie Opioide oder Tramadol 1
- Bei neuropathischen Schmerzkomponenten: Erwägen Sie trizyklische Antidepressiva oder Antikonvulsiva 1
- Bei älteren Patienten: Besondere Vorsicht bei NSAIDs und Opioiden, niedrigere Dosierungen erwägen 1