Unterschiede zwischen den verschiedenen Prionenerkrankungen
Die Prionenerkrankungen unterscheiden sich hauptsächlich in ihren klinischen Erscheinungsbildern, genetischen Ursachen und Verlaufsformen, wobei alle durch fehlgefaltete Prionproteine verursacht werden und letztendlich tödlich verlaufen. 1, 2
Hauptformen der Prionenerkrankungen
1. Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD)
Klinisches Bild:
- Frühe kognitive Symptome: Gedächtnisabnahme, Demenz
- Begleitsymptome: Ataxie, Myoklonus, pyramidale und extrapyramidale Zeichen
- Verhaltensänderungen, psychiatrische Symptome (Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Depression)
- Schnell progressiver Verlauf mit medianer Überlebenszeit von etwa 5 Monaten 2
Unterformen:
- Sporadische CJD (sCJD): Häufigste Form (85% aller Prionenerkrankungen), ohne bekannten genetischen oder umweltbedingten Auslöser 1, 3
- Genetische CJD: Durch autosomal-dominante Mutationen im PRNP-Gen, besonders E200K, D178N-129V und V210I 1
- Iatrogene CJD: Durch medizinische Eingriffe übertragen 3
- Variante CJD (vCJD): Zoonotische Form, durch BSE-kontaminierte Nahrungsmittel übertragen 4
2. Fatale Familiäre Insomnie (FFI)
Klinisches Bild:
Genetik: Verursacht durch die D178N-Mutation im PRNP-Gen, wenn Methionin an Codon 129 vorliegt (D178N-129M) 1
3. Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS)
Klinisches Bild:
Genetik: Häufig durch P102L, A117V, P105L oder F198S Mutationen im PRNP-Gen verursacht 1
4. Weitere Formen
- Kuru: Erworbene Form, historisch durch rituellen Kannibalismus übertragen 3, 5
- Sporadische Fatale Insomnie: Sehr selten, ähnlich FFI aber ohne genetische Mutation 3
- Protease-sensitive Prionopathie: Neuere beschriebene Form 3
Gemeinsame Merkmale aller Prionenerkrankungen
- Pathophysiologie: Alle werden durch Ansammlung fehlgefalteter Prionproteine (PrPSc) im Gehirn verursacht 1, 5
- Verlauf: Trotz unterschiedlicher Anfangssymptome konvergieren die meisten Fälle zu progressiver Demenz, akinetischem Mutismus und letztendlich zum Tod 1
- Diagnostik:
- MRT-Befunde (besonders Pulvinarzeichen bei vCJD)
- 14-3-3-Protein im Liquor
- Real-time Quaking-induced Conversion (RT-QuIC) Assay
- PRNP-Gensequenzierung für genetische Formen 2
Wichtige klinische Hinweise
- Die traditionelle Genotyp-Phänotyp-Korrelation hat sich im Laufe der Zeit abgeschwächt, mit erheblicher phänotypischer Heterogenität innerhalb und Überlappung zwischen den historischen Subtypen 1
- Symptome können selbst innerhalb derselben genetischen Variante, innerhalb von Familien und sogar zwischen betroffenen eineiigen Zwillingen stark variieren 1
- Der Begriff "genetische Prionenerkrankung" kann für Ärzte nützlicher sein als die historischen Subtypen CJD, FFI und GSS 1
- Codon 129 im PRNP-Gen (Methionin oder Valin) beeinflusst die Krankheitsdauer bei einigen genetischen Prionenerkrankungen sowie das Risiko bei sporadischen und iatrogenen Formen 1
Alle Prionenerkrankungen sind bisher unheilbar und führen unweigerlich zum Tod, wobei die Überlebenszeit je nach spezifischer Form variiert 5.