Zeitplan und Sequenz der neoadjuvanten Chemotherapie und Radiotherapie bei Sarkomen
Bei hochgradigen Sarkomen wird die neoadjuvante Chemotherapie gefolgt von Operation und anschließend adjuvanter Chemotherapie empfohlen, wobei die Radiotherapie entweder neoadjuvant oder adjuvant eingesetzt werden kann, abhängig von der individuellen Tumorsituation. 1
Neoadjuvante Therapie bei hochgradigen Sarkomen
Sequenz und Zeitplan
- Bei hochgradigen Weichteilsarkomen wird typischerweise zunächst eine neoadjuvante Chemotherapie mit 3-4 Zyklen durchgeführt, gefolgt von der Operation 1, 2
- Die neoadjuvante Radiotherapie kann entweder:
- Sequentiell nach der Chemotherapie und vor der Operation erfolgen
- Oder als simultane Radiochemotherapie verabreicht werden 1
- Der gesamte neoadjuvante Behandlungszeitraum beträgt in der Regel 2-3 Monate vor der Operation 1, 3
Chemotherapieregime
- Für hochgradige Weichteilsarkome wird eine anthrazyklinbasierte Kombinationschemotherapie (z.B. Doxorubicin und Ifosfamid) empfohlen 1, 2
- Bei Osteosarkomen ist das MAP-Regime (hochdosiertes Methotrexat, Doxorubicin und Cisplatin) Standard 1
- Die neoadjuvante Chemotherapie umfasst typischerweise 3-4 Zyklen vor der Operation 2, 4
Radiotherapie
- Bei Weichteilsarkomen kann die Radiotherapie neoadjuvant mit einer Dosis von ca. 50 Gy verabreicht werden 1, 3
- Die neoadjuvante Radiotherapie kann mit der Chemotherapie kombiniert werden (Radiochemotherapie) oder sequentiell erfolgen 1
Vorteile der neoadjuvanten Therapie
- Die neoadjuvante Chemotherapie ermöglicht die Beurteilung des Ansprechens des Tumors, was wichtige prognostische Informationen liefert 1, 2
- Bei Tumoren mit Borderline-Resektabilität kann die neoadjuvante Therapie die Operabilität verbessern 1
- Eine gute histologische Ansprechrate (>90% Nekrose) ist mit verbesserten Überlebensraten assoziiert 2
Postoperative Therapie
- Nach der Operation wird die adjuvante Chemotherapie fortgesetzt, typischerweise mit weiteren 3-4 Zyklen 1, 2
- Bei gutem histologischem Ansprechen auf die neoadjuvante Chemotherapie sollte die gleiche Chemotherapie adjuvant fortgesetzt werden 2
- Bei schlechtem Ansprechen kann ein Wechsel des Chemotherapieregimes erwogen werden, obwohl der Nutzen nicht eindeutig belegt ist 2
- Die adjuvante Radiotherapie wird bei Patienten empfohlen, die keine neoadjuvante Radiotherapie erhalten haben, insbesondere bei knappen oder positiven Resektionsrändern 1
Besondere Situationen
Retroperitoneale Sarkome
- Bei retroperitonealen Sarkomen ist die Evidenz für den Nutzen einer neoadjuvanten Chemotherapie begrenzt 2
- Hier kann eine neoadjuvante Radiotherapie gefolgt von der Operation bevorzugt werden 1
Osteosarkome
- Bei Osteosarkomen besteht die kurative Behandlung aus neoadjuvanter Chemotherapie, chirurgischer Resektion und adjuvanter Chemotherapie über einen Zeitraum von 6-9 Monaten 1
- Die Kombination aus neoadjuvanter und adjuvanter Therapie erhöht die Überlebensrate von 10-20% (nur Operation) auf etwa 60% 1
Praktische Empfehlungen
- Die Entscheidung über die optimale Sequenz sollte in einem multidisziplinären Tumorboard an einem spezialisierten Sarkomzentrum getroffen werden 2
- Die Toxizität der Chemotherapie muss gegen den potenziellen Nutzen abgewogen werden, besonders bei älteren Patienten oder solchen mit Komorbiditäten 2
- Bei Patienten mit hochgradigen Extremitätensarkomen ≥8 cm hat sich die Kombination aus neoadjuvanter Chemotherapie und Radiotherapie gefolgt von Operation und adjuvanter Chemotherapie als vorteilhaft erwiesen 3
Vorsichtsmaßnahmen und Komplikationen
- Die neoadjuvante Radiochemotherapie kann mit erhöhten Wundheilungsstörungen verbunden sein 5
- Hämatologische Toxizitäten wie febrile Neutropenie sind häufige Nebenwirkungen der intensiven neoadjuvanten Chemotherapie 4, 3
- Die Behandlung sollte mit entsprechender Supportivtherapie begleitet werden, um Komplikationen zu minimieren 1